Bindu 28

Artikel aus Bindu Nr. 10

„Man will ja am liebsten, daß die Menschen das Beste bekommen"

(Zitat: Swami Satyananda)

Innerhalb des Yoga hat derjenige, der unterrichtet und derjenige, der sich ausbilden lassen möchte, dieselbe Verantwortung wie jeder andere, der mit Menschen arbeitet und ihnen helfen möchte. Wenn ein werdender Arzt in eine „Bananenrepublik" fährt (wo es auch immer sein mag, entschuldige den Ausdruck!) um sich eine schnelle Ausbildung zu kaufen, dann ist es natürlich verwerflich und Verantwortungslos sowohl dem „Arzt" als auch den Menschen gegenüber, mit denen er als Heiler und Ratgeber in Kontakt kommen wird.

Der Schüler, der Lehrer werden will, muß selber die Verantwortung tragen, wenn er oder sie einen Lehrer (wie gut dessen Qualifikationen auch immer sein mag) wählt, der die Tradition verwässert und die Ausbildung „einfach" und kurz macht. Die Tradition wird nur verbessert, wenn man die ganze Zeit den Kern und das, was man von seinem Lehrer gelernt hat, sucht. So habe ich es auf jeden Fall erlebt, sowohl im Verhältnis zu meinem Lehrer, als auch im Verhältnis zu der Tradition, in der ich unterrichte.

Sitzt man erst da als Yogalehrer mit einer unzureichenden Ausbildung, und es ist egal wie eingebildet man ist oder mit wem man zusammenarbeitet, dann wird man früher oder später ins Leere laufen. Statt in einen befreienden Prozeß mit seinen Schülern eintreten zu können - wird das Ganze langweilig, weil man den Prozeß nicht kennt und die Einsicht, die man im alltäglichen Training bekommt, nicht erworben hat. Man wagt weder, noch kann man über das hinausgehen, was man selbst gelernt hat oder was die eigene Einsicht erlaubt. Man glaubt, daß man seine Schüler „unterhalten" soll, oder man drischt leeres Stroh, weil man nichts mehr anzubieten hat - die Transformation kennt man nicht.

Es hilft auch nicht, andere oberflächliche Ideen oder Methoden in seinen Unterricht hineinzumischen, um der Angst und der Leere zu entgehen, oder viel Geld, mit dem, was man tut, zu verdienen. Das macht es nicht wertvoller. Man täuscht sowohl sich selbst, als auch andere. Yoga ist „any age", nicht New Age z.B., obwohl einige, die eine oberflächliche Form von Yoga unterrichten, diesen Eindruck erwecken.

Das Wichtigste bei einer ordentlichen Yogalehrerausbildung ist wohl nicht, was man an Theorie lernt oder die Menge von Methoden, die sie enthält, sondern daß man auch ein tägliches Training bekommt, wo man die Dinge auf eine praktische Weise lernt, so daß man ein Können erreicht, um Lösungen der Probleme und der gestellten Diagnosen sehen zu können. Man muß auch Erfahrung haben, um mit den Schülern umgehen zu können. Die Ausbildung muß ein umfassendes und von einem erfahrenen Lehrer beaufsichtigtes Unterrichtspraktikum enthalten. Außerdem muß der eigene Sadhana (siehe S. 14) und die Erfahrung, die man dadurch bekommt, tiefgehend sein.

Das alltägliche Leben zusammen mit dem Lehrer, der die Ausbildung leitet, soll die grundlegende Angst aus demjenigen, der anderen Menschen helfen soll, heraustreiben. Es ist außerdem erforderlich, daß der Lehrer die besondere Fähigkeit hat, die Schüler zu einer Einsicht zu leiten, die über das hinausgeht, was man in den Büchern lesen und in einigen Kursen lernen kann. Die werdenden Yogalehrer, wenn sie mit ihrer Ausbildung fertig sind, werden dann mit Zuversicht andere unterrichten und anleiten können - und sie werden auch damit fortfahren können, wenn der Reiz des Neuen vorbei ist.

ch erlaube mir, daran zu zweifeln, daß die dürftigen Ausbildungen, die heute von gewissen Stellen hauptsächlich in Form einer Reihe von Wochenendkursen angeboten werden (wobei man behauptet, daß die Ausbildung bis zu 3 oder 4 Jahren dauert), einen soliden Hintergrund geben. Man trifft sich ja nur ein paar Stunden dann und wann, und wenn man die Anzahl der Unterrichtsstunden zusammenzählt, dann geht es in Wirklichkeit um Ausbildungen, die insgesamt weniger als einen Monat (u.a. bei einem Institut in Stockholm) bis hin zu maximal 3 Monaten (u.a. bei einer Ausbildung in Dänemark) dauern. Ganz zu schweigen von einer Firma in England, die eine Yogalehrerausbildung als Fernunterricht anbietet, wo man seinen Lehrer nie sieht!

Eine mehrjährige Vollzeitausbildung sollte eine absolute Forderung sein.

Warum ist es so wichtig, Yogalehrer zu werden, wenn man es sowieso nicht wird, wenn man kein Training in der Praxis und nur unzureichende Theorie bekommt? - Und dann habe ich noch gar nicht den Mangel an Einweihung in veränderte Bewußtseinszustände genannt! Man muß doch wissen, daß man auf lange Sicht mit seiner Begrenzung nur dazu beiträgt, etwas Wertvolles zu zerstören.

Die Verantwortung liegt bei Dir selbst. Daß andere kriminelle Handlungen begehen, berechtigt Dich nicht dazu!

Siehe auch den ausführlichen Artikel über die Yogalehrerausbildung an der Skandinavischen Yoga und Meditationsschule in Bindu Nr. 7.