Bindu 20

Artikel aus Bindu Nr. 2

Leserbrief

Danke für die neue Ausgabe von Bindu!

Ich habe im nachhinein mehrere alte dänische Nummern gekauft und viele wertvolle Artikel gefunden. Deshalb freut es mich, daß ihr diese Zeitschrift von neuem herausbringt und daß die Artikel denselben Lesewert und dieselbe hohe Qualität haben. Wenn ich den Artikel über Nasenspülung und Kopfstand lese, bekomme ich Lust, Euch und allen anderen Bindulesern davon zu berichten, wie ich mit Hilfe dieser Techniken mein Gehör zurückerobert habe.

Ich hatte herabgesetztes Hörvermögen auf dem rechten Ohr seit meiner Kindheit, vermutlich weil ich oft Mittelohrentzündungen hatte, sagen die Ärzte. Die Gehörbeeinträchtigung hat mir keine Beschwerden bereitet. Der einzige Zeitpunkt, wo ich mir darüber bewußt wurde war kurz vor dem Einschlafen. Da habe ich immer auf der rechten Seite liegen wollen, sodaß ich mit dem guten Hörvermögen des linken Ohres alle Geräusche der Nacht hören konnte. Leute in meiner Umgebung haben nichts davon gemerkt, selbst wenn ich außergewöhnlich laut Musik spielte, mehr Lärm machte und auch lauter sprach als eine durchschnittliche Schwedin.

Stell Dir meine Verwunderung vor, als ich als 26jährige, nach meinem 3-Monatskurs, einen Hörtest machte, der zeigte, daß ich völlig normal auf beiden Ohren hörte. Ich war gezwungen, mich bei der verärgerten Krankenschwester zu versichern, daß die Meßgeräte in Ordnung waren. Daß dies eine der positiven Wirkungen war, die der 3-Monatskurs auf mein Leben hatte, war mir klar. Was ich jedoch nicht wissen konnte war, welche Yogapraxis dazu beigetragen hatte, daß ich mein Gehör zurückbekommen hatte. Während eines 3-Monatskurses lernt man ein ganzes Spektrum von Yoga- und Atemübungen und Meditationstechniken.

Leider war mein wiedereroberter Gehörsinn nicht von Dauer. Langsam schlich sich eine stärkere Hörbeeinträchtigung als früher ein, und nach sieben Jahren wurde ich von echter Schwerhörigkeit geplagt. Da dies jedoch zu einer Zeit entdeckt wurde, in der ich häufig Nebenhöhlenentzündungen hatte, wollte mein Arzt keine voreiligen Schlüsse ziehen. Das könne ja auf Flüssigkeit im Ohr, Unterdruck oder Schwellungen beruhen. Die schlechten Testergebnisse blieben jedoch bestehen und zeugten von einem "Leitungsfehler", der nach Ärzteerfahrung auf Verkalkungen im Mittelohr beruht. Mein umsichtiger Arzt wollte aber keine endgültige Diagnose stellen und verwies mich an das Söder-Krankenhaus. Er teilte mir mit, daß eine Gehörbeeinträchtigung dieser Art glücklicherweise jedoch mit einem Hörgerät behoben werden kann, und daß man dann später - wenn das Hörvermögen ein Minimum erreicht hätte - auch operieren kann.

Da Gesang meine Hauptbeschäftigung ist, machte ich mir natürlich jetzt Gedanken darüber, wie meine Zukunft als Sängerin aussehen würde. Bislang hatten nicht einmal meine Gesangslehrer etwas bemerkt. Ich akzeptierte die Dinge, wie sie waren und beschloß - wie bisher - alles zu geben.

Mira von der Yogaschule in Stockholm hatte mir geraten, die Nase zu spülen, da meine Nebenhöhlenentzündungen trotz Penicillinkuren nicht weichen wollten. Ich tat dies bereits regelmäßig, jedoch ein wenig nachlässig. Nun machte ich die Nasenspülung intensiver - mit mehr Wasser und öfter.

Ich hatte mir zur Gewohnheit gemacht, nach der Nasenspülung auf dem Kopf zu stehen und anschließend die Atemübung Blasebalg zu machen. Da mein Arzt mir empfohlen hatte, Luft hoch zum Ohr zu blasen um den Druck zu erhöhen, tat ich auch dies weiterhin. Eines Morgens, kurz nachdem meine Überweisung ans Krankenhaus gegangen war, war es so, als ob sich das rechte Ohr öffnete, als ich auf dem Kopf stand. Es war, als ob sich die ganze Welt für mich öffnete - ich hatte noch nie zuvor so gut gehört.

Wieder ging das Hörvermögen jedoch zurück, und als ich nach einem halben Jahr Wartezeit zum Krankenhaus kam, war der Hörtest miserabel und es wurde eine neue Untersuchungsrunde arrangiert. Während ich darauf wartete, machte ich die Nasenspülung und den Kopfstand und blies auch Luft zum Ohr. Nun setzte ich mein wiedergefundenes Hörvermögen in Verbindung mit diesen Übungen. Ich dachte mir: Wenn ich mein Gehör zweimal mit Hilfe dieser Techniken bekommen habe, so kann ich es auch jetzt wieder zurückbekommen!

Es gelang. Die Wirkung blieb bis zur Untersuchung bestehen und als ich die vorbereitende Hörkontrolle machte, zeigte sich, daß ich sogar auf dem rechten Ohr gutes Gehör hatte! Die Assistentin verstand nichts und die vier Ärzte noch viel weniger. Sie konnten nur die Tatsachen konstatieren und ich selbst wurde ganz stumm.

Jetzt ist ein Jahr seit dieser Untersuchung vergangen und es ist mir gelungen, mein gutes Gehör zu behalten, mit Hilfe von Nasenspülung, dem Kopfstand und durch das Hochdrücken von Luft nach dem Blasebalg. Wenn ich mit meiner Praxis etwas nachlässig bin, verschlechtert sich das Gehör - es legt sich ein Deckel über das Ohr. Das verschwindet aber in der Regel wieder, wenn ich die Übungen mache, besonders wenn ich bei der Nasenspülung die doppelte Wassermenge hindurchlaufen lasse.

Das wiedergewonnene Gehör beeinflußt mich in höchstem Grade. Ich erlebe, daß ich nun mehr an meiner Umgebung teilnehme und es hat dazu beigetragen, daß sich mein Gesang verändert hat. Früher habe ich nie das ‚Dolce’ singen können - jedenfals nicht richtig weich aber jetzt kann ich meinen Gesang immer mehr nuancieren und hole nun eine Weichheit aus der Stimme hervor, die früher nicht da gewesen ist.

Lena Nilsson, Stockholm