Bindu 23

Artikel aus Bindu Nr. 5

Eine Yogaschule erblickt das Licht der Welt

Jubiläum 1970 - 1995

Heute ist es 25 Jahre her, daß Swami Janakanandaaus Indien zurückkehrte und den Grundstein für die Skandinavische Yoga und Meditationsschule legte.

Nach langjähriger Beschäftigung mit Yoga in der kreativen Theater-Arbeit und der Malerei, als Mittel zum eigenen Wohlbefinden und zur Selbstfindung (siehe Artikel Kriya Yoga III, S. 9) - wurde Swami Janakananda von seinem Lehrer Swami Satyananda dazu inspiriert, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Es begann im Sommer 1970 in einem unscheinbaren Laden in Österbro in Kopenhagen. Diese kleine Schule wurde rasch zu einem Magnet, es zogen Leute ein, um Yogalehrer zu werden und/oder um besseren Kontakt mit der spirituellen Seite des Lebens zu bekommen. Schon nach einem Jahr wurden größere Räumlichkeiten notwendig.

Die Wahl fiel auf eine Villa in einem Vorort Kopenhagens, und 1974, als es auch hier zu eng wurde, zog die Schule in ihr eigenes Haus an der Købmagergade. Hier liegt sie noch heute, mitten im Zentrum von Kopenhagen, mit fünf große Unterrichtsräumen, Auskunft und Shop, dem Entspannungstank „Pyramide", einem Layout-Studio, sowie dem Ashram mit den Wohnungen der Yogalehrer.

Schon früh begann man sich nach einem geeigneten Platz für tiefgehendere Ferienkurse, z.B. den alljährlichen 3-Monatskurs, umzusehen und 1972 wurde das internationale Kurszentrum Håå ins Leben gerufen - mitten in der Natur Südschwedens und nur zwei Autostunden von Kopenhagen entfernt. Im Laufe der Jahre hat Håå vielen verschiedenen Menschen aus Skandinavien, ganz Europa, den USA, Australien und anderen Ländern die Möglichkeit gegeben, mehr über sich selbst zu entdecken - um Überblick, Einsicht und Energie zu bekommen. Es wurde zu einem spirituellen Kraftzentrum, wo wir Brücken schlagen zwischen dem inneren und dem äußeren Leben.

Die Zeitschrift Bindu existiert bereits seit 1971, und sie wird am Kurszentrum von den Yogalehrern produziert. Im Jahre 1975 erschien die Erstausgabe von Swami Janakanandas Buch „Yoga, Tantra und Meditation im Alltag". Es wurde nach und nach ergänzt und liegt heute in 8 verschiedenen Übersetzungen vor. Andere Veröffentlichungen der Schule sind verschiedene LPs und Cassetten mit Anleitungen für Meditation und Tiefenentspannung (auch auf deutsch).

1977 veranstaltete die Schule einen internationalen Yogakongreß im Kulturhaus in Stockholm, Meditation Yoga’77 mit Teilnehmern aus aller Welt. Außer Swami Satyananda, der in diesen Jahren unsere Schulen oft besuchte, kamen Yogis aus Indien und den USA. Yogalehrer und -schüler, Künstler, Filmschaffende und Musiker, Psychologen, Psychiater, Soziologen, Philosophen und Therapeuten begegneten einander, fanden Inspiration und nahmen teil an Unterricht, Konzerten, Meditationen und Vorträgen.

Einer der tragenden Pfeiler der Schule ist die umfassende Yogalehrerausbildung. Sie beginnt mit der Teilnahme am 3-Monatskurs und geht weiter als ein Prozeß, der eine solide persönliche Erfahrung von Yoga und Meditation vermittelt.

Durch ein beständiges Wachsen der Yogalehrergruppe enstanden im Laufe der Jahre neue Zweigstellen der Schule überall in Nordeuropa. Heute gibt es insgesamt 10 Filialen unter dem Namen Skandinavische Yoga und Meditationsschule - jede für sich ist ein unabhängiges, aktives Zentrum für Yoga und Meditation.

In den 70er und zu Beginn der 80er Jahre besuchte Swami Janakananda regelmäßig Deutschland, um u.a. in Hamburg, Bremen und München zu unterrichten. Während dieser Zeit entstanden Kontakte mit Ärzten der Uniklinik in Köln und später der Medizinischen Hochschule in Hannover, was 1988 zur Gründung einer Zweigstelle in Deutschland führte.

Es war Hamsananda, der - nachdem er 12 Jahre lang Unterrichtserfahrung in Oslo, Stockholm und Kopenhagen gesammelt hatte - die Schule in Hannover eröffnete. Heute betreibt er sie gemeinsam mit drei anderen YogalehrerInnen an der Egestorffstraße. In Köln entstand einige Jahre darauf eine weitere Zweigstelle unter der Leitung von Hari Prem.

Über den planmäßigen Unterricht hinaus haben die Lehrer der Schule in allen denkbaren Zusammenhängen unterrichtet: In Krankenhäusern, Drogenentzugsanstalten, in Hochschulen und Gefängnissen. Wir werden eingeladen von Versicherungen, großen Firmen und Banken oder unterrichten auf Musikfestivals und Charterreisen am Mittelmeer...

Gymnasien und andere Bildungseinrichtungen besuchen häufig die Schule zu Einführungen und Probestunden. In Form von Workshops, Vorträgen oder Yogademonstrationen wirken wir auch regelmäßig an Esoterik- und Gesundheitsmessen mit.

Meditative Kunst

1970 war Swami Janakananda einer der Pioniere, die in Århus und Kopenhagen die Poex-Austellung präsentierten, auf der meditative Kunst, Yoga und Meditation erstmalig gemeinsam in Dänemark zu erleben waren. Im Laufe der Jahre haben die Schulen immer wieder Kunstausstellungen in ihren Räumlichkeiten zu Gast gehabt.

Im Jubiläumsjahr freuen wir uns, die Türen für eine Ausstellung mit dem international angesehenen Künstler Sohan Quadri öffnen zu können (s. Bilder auf S. 2 und S. 39). Sohan ist in Nordindien geboren und mit der tantrischen Tradition aufgewachsen, heute lebt er vorwiegend in Kopenhagen.

Die Ausstellung wird in Hannover vom 9. September bis zum 10. Oktober zu sehen sein und danach in Århus, Stockholm und Kopenhagen.

Ziel der Schule ist es ...

  • den Yogaunterricht auf ein Niveau zu heben, das - frei von allem Drumherum und Aberglauben - auf einem gründlichen Wissen beruht, ausgehend von den Quellen der Tradition, eigener Erfahrung, menschlichem Kontakt zwischen Lehrer und Schüler und den Untersuchungen der modernen Psychologie und medizinischen Wissenschaft.
  • einen praktischen Yoga anzubieten, der sich erstreckt von physischem und mentalem Wohlbefinden bis hin zu spiritueller Einsicht, die u.a. C.G. Jung in unserer Kultur sucht, wo der Mensch nicht nur an der Oberfläche lebt, sondern ein kreatives und bewußtes Verhältnis zu seinem ganzen Selbst und dem Leben um sich herum hat.
  • eine unabhängige Schule zu sein, in der Menschen kommen und gehen können, ohne eine andere Bindung als die an den Unterricht, an dem sie teilnehmen

Franz Jervidalo

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