Bindu 27

Artikel aus Bindu Nr. 9

Bilder von der Aktivität des Gehirns während Yoga Nidra

„Wir hatten nicht damit gerechnet, daß die Meditierenden dermaßen imstande waren, ihr Bewußtsein zu steuern."

(Gehirnforscher Troels Kjær, das Kennedy Institut, Kopenhagen, Dänemark)

Vorbereitung zum Scanning im Rigshospital. Die 21 Elektroden sind auf dem Kopf angebracht. Jetzt fehlen nur noch die Kopfhörer für Yoga Nidra. Als die Messungen begannen, war niemand anderer im Raum außer der Versuchsperson.

Zum ersten Mal ist es Forschern gelungen, während einer meditativen Tiefenentspannung Aufnahmen vom Gehirn, mit einer Belichtungszeit von einer Minute pro Bild, zu machen. Die Bilder wurden mit einem der fortgeschrittensten Instrumente der medizinischen Forschung, dem PET-Scanner im Rigshospital Kopenhagen (staatliche Universitätsklinik) aufgenommen. Initiatoren waren die Forscher Dr. Hans Lou und Dr. Troells Kjær vom Kennedy Institut in Kopenhagen.

Als sie mit uns Kontakt aufnahmen, sagten sie, daß sie Bewußtheit messen wollten! Aber wie macht man das? In der Skandinavischen Yoga- und Meditationsschule haben wir früher mit verschiedenen Forschern, in Untersuchungen z.B. über die Wirkung der yogischen Atemübungen auf den Blutdruck, zusammengearbeitet. Wir haben auch die Teilnehmer sechs aufeinanderfolgender Jahre im Haa Retreat Center gemessen, um die Wirkung der Dreimonatskurse auf die Reduktion von schädlichem Kolesterol; die Hormonbalance des Körpers; die Balance zwischen den zwei Gehirnhälften und das Resultat des Aufmerksamkeitstrainings herauszufinden. Die Aufmerksamkeit selbst dagegen zu messen, und wie das Gehirn mit bewußter Steuerung von Aufmerksamkeit funktioniert, war ganz neu für uns.

Zuerst haben wir uns vorgestellt, daß man Personen messen könnte, während sie Kriya Yoga machen. Es ist eine Meditation, die sehr deutliche Resultate in anderen Messungen gegeben hat (siehe nächste Nummer von Bindu). In einem PET-Scanner kann man aber nur liegen. Man kann also keine Untersuchungen bei einer Person machen, die in einer Meditationsstellung sitzt.

Wir wurden uns deshalb mit Forschern darüber einig, Personen zu messen, die Yoga Nidra nach Swami Janakanandas CD oder Tonband praktizierten. Auf diese Weise waren wir sicher, daß alle, die untersucht wurden, genau das gleiche taten. Wir wollten auch die Messungen auf diejenigen begrenzen, die regelmäßig Kriya Yoga praktizierten - sie sollten Kriya Yoga am Morgen üben, bevor sie ins Krankenhaus gingen und die Aufnahmen vom Gehirn aufgenommen wurden.

Messungen

Die Versuchspersonen legten sich einer nach dem anderen in den PET-Scanner.

Es dauert eine Minute, die Daten im Scanner zu registrieren, aber man muß zehn Minuten warten, bevor man die nächste Aufnahme machen kann. Es wurden insgesamt acht Bilder aufgenommen. Die Bilder zeigen, welche Gebiete im Gehirn vor (ein Bild), während (vier Bilder) und nach Yoga Nidra (drei Bilder) aktiv sind.

Die Personen, die im PET-Scanner liegen, werden nicht durch das Fotografieren gestört, sie praktizieren das tiefe Yoga Nidra ununterbrochen vom Anfang bis zum Schluß.

Die Aktivität im Gehirn wurde gleichzeitig mit einem Elektroenzephalographen (EEG, sieh auch Seite 5) während der ganzen Prozedur gemessen. Die EEG-Kurven zeigten, wie erwartet, daß sie sichwährend des ganzen Yoga Nidra in einem meditativen Zustand befanden.

Anschließend wurden die Gehirnbilder der verschiedenen Personen auf gleiche Größe gebracht, weil es wichtig war, daß die verschiedenen Teile des Gehirns genau dieselbe Größe und Plazierung hatten ( Talairach space). Die Daten der Bilder wurden dann verglichen und die durchschnittlichen Werte berechnet.

Es wurden Bilder von einem normalen wachen Zustand mit geschlossenen Augen und Bilder von vier verschiedenen Praktiken während Yoga Nidra aufgenommen. Indem man diese Daten verglich und die normale Aktivität aus der Aktivität während Yoga Nidra abzog, konnte man sehen, in welchen Gebieten des Gehirns die Aktivität während Yoga Nidra anstieg.

Und um herauszufinden, was charakteristisch für einen normalen Zustand war, im Vergleich zum Zustand während Yoga Nidra, setzte man die Werte der Bilder, die vor und nach Yoga Nidra aufgenommen wurden, zusammen, und die Werte der vier Bilder, die während Yoga Nidra aufgenommen wurden, wurden abgezogen.

Dann wollten die Forscher sehen, ob es einen Unterschied in der Aktivität des Gehirns während der verschiedenen Teile von Yoga Nidra gab. Als die erste Aufnahme gemacht wurde, erlebte die Versuchsperson ihren Körper, speziell die verschiedenen Teile des Gesichts. Die nächste Aufnahme wurde während des Erlebnisses von Freude und Zufriedenheit gemacht, die dritte während des Erlebnisses eines Sommertages auf dem Lande und die vierte am Schluß von Yoga Nidra während des Erlebnisses von „wer bin ich".

Nach der Auswertung aller Daten konnten die Bilder zwei Gruppen zugeordnet werden: Es zeigte sich, daß die mehr „konkreten" Aufgaben wie das Erlebnis vom Körper und von der Landschaft einigermaßen dieselben Gebiete im Gehirn aktivierten (Fig. 4); und die mehr „abstrakten" Aufgaben wie Freude und wer bin ich andere Gebiete aktivierten.

Resultate

Während der Ausführung von Yoga Nidra zeigten die Messungen über die Aktivität des Gehirns (EEG), daß sich die Personen ununterbrochen während der ganzen Periode in einem tief entspannten Zustand befanden, der dem Schlaf ähnlich war. Die Theta-Aktivität steigerte sich bedeutend bei allen 21 Elektroden (11 % p). Die Alpha-Aktivität dagegen ging nur unbedeutend herunter (2 % NS); das zeigt, daß dieser meditative Zustand ganz verschieden vom Schlafzustand ist und bewußte Aufmerksamkeit enthält. Der Zustand war konstant und die Alpha/Theta-Aktivität gleichmäßig über das ganze Gehirn verteilt während der 45 Minuten, die die Entspannung dauerte.

Der ganze Versuch dauerte jedoch 1½ Stunden pro Teilnehmer. In dieser Periode lag die Person ganz still in derselben Stellung. Als der Zustand vor und nach Yoga Nidra, wo man nur liegt und ausruht, mit dem Zustand während Yoga Nidra verglichen wurde, zeigten die Messungen einen großen Unterschied zwischen den zwei Zuständen. Dies bekräftigt die Wichtigkeit, eine Technik, wie die, die in diesem und anderen Artikeln dieser Zeitschrift beschrieben worden sind, zu verwenden, wenn man Resultate erzielen will.

Die Bilder des PET-Scanners zeigen, daß es kein schläfriger oder unbewußter Zustand war, in dem die Personen sich während der Entspannung befanden. Etwas, was man von einer Person in einem so tiefen Zustand hätte erwarten können. Die Versuchspersonen haben im großen Maße Kontrolle darüber gehabt, was geschah. Man sieht, wie deutlich abgegrenzte Zentren im Gehirn abwechselnd aktiviert wurden, abhängig davon, wo man sich in Yoga Nidra befand. Es ist also kein Zufall, was im Gehirn während Yoga Nidra geschieht und wo es geschieht.

Die Bilder der sieben Yogalehrer, die gemessen wurden, zeigten eine verblüffende Übereinstimmung.

Etwas das wie ein Paradox für jemanden aussehen mag, der selber keine Meditation kennt, ist vielleicht, daß diese klaren Resultate, die einen hohen Grad von Konzentration zeigen, ganz ohne Anstrengung hervorgerufen worden sind. Man liegt nicht und versucht, die verschiedenen Dinge zu erzwingen, die man während Yoga Nidra erlebt, im Gegenteil: Das EEG zeigt, daß die Personen vom Anfang bis zum Schluß ganz entspannt sind. Man hört einfach die Anleitungen und erlebt deutlich, was geschieht, wie ein Kind, das ein Abenteuer erlebt, aktiv und teilnehmend, aber ohne Anstrengung.

Die Resultate bekräftigen die Erfahrung der Yogis: Konzentration ist ein spontaner Zustand, der von allein entsteht, wenn man eine Methode verwendet, die das was im Wege steht, beseitigt.

Und wie die Ärzte sagen: „Es zeigt, daß die 1,5 kg (Gehirnmasse) mit dem unbekannten Inhalt seine eigene Aktivität auf eine verblüffend präzise Weise steuern kann. Mit holistischen Augen gesehen deutet es darauf hin, daß Seele und Körper wie eine Einheit auftreten."

Fazit

Das Bewußtsein während Yoga Nidra ist in einem sehr tiefen und stabilen Zustand.
Gleichzeitig zeigen die Messungen, zum ersten Mal, daß man in einem solch tiefen Zustand völlig bewußt sein kann - daß man die Aktivität des Gehirns bewußt erleben und steuern kann. Dies bestätigt, daß Meditation ein vierter Hauptzustand ist, gleich Traum, Schlaf und Wachzustand (siehe auch Seite 5).

Die Resultate der Untersuchung - muß man sagen - stellen eine große Neuheit innerhalb dieser Forschung dar!

1. Ruhe

Dieses Bild basiert auf den Aufnahmen, die vor und nach Yoga Nidra aufgenommen worden sind. Es illustriert also einen Zustand, der nahe an dem normalen Tagesbewußtsein liegt, ohne dennoch ein müder oder gestreßter Zustand zu sein. Diejenigen, die Yoga Nidra verwenden, berichten, daß sie nicht nur etwas von der Tiefenentspannung haben, während sie es üben, sondern daß es in hohem Grad eine günstige Wirkung auf den Rest des Tages hat.
Auf dieser Aufnahme ist es das Vorhirn, das für die übergeordnete Steuerung steht und aktiv ist. Es sorgt z.B. dafür, daß wir in einer komplexen Gesellschaft funktionieren können, weil es „Stellung nimmt" zu den Signalen von den tieferen gefühlsmäßigen und instinktiven Teilen.
Der Gehirnstamm und das Kleingehirn sind auch aktiv, dies deutet darauf hin, daß man „Handlungsbereit" ist.

2. Meditation

Diese Aufnahme zeigt den Allgemeinzustand während des ganzen Yoga Nidra. Hier sind es das Sehzentrum im Hinterkopf und das Gefühlszentrum (d.h. Berührungs- und Richtungssinne) oben auf dem Kopf, die aktiv und in Kontakt mit dem limbischen System sind. Dies weist auf ein erhöhtes Visualisierungsvermögen hin und, was wichtig ist, daß man guten Kontakt mit seinen Gefühlen hat. Einige der Lehrer hatten auch eine deutliche Aktivität im Zentrum für das Langzeitgedächtnis, was gut damit übereinstimmt, was die Meditierenden darüber erzählen, daß nämlich sehr deutliche Erinnerungen während oder nach der Meditation auftauchen können.

Man muß dennoch unsererseits unterstreichen, daß die Erfahrungen der Versuchspersonen und ihr regelmäßiger Gebrauch von Kriya Yoga möglicherweise die Wirkung von Yoga Nidra verstärkt

3. Abstrakt

Diese Aufnahme ist auf der Grundlage der Messungen während des Erlebnisses von Glück gemacht worden und zum Schluß in der Entspannung während des Erlebnisses von Identität, wenn man in seinem eigenen Zentrum ruht. Während dieser „abstrakten Erlebnisse" in Yoga Nidra war besonders das Zentrum für das Rede- und Sprachverständnis aktiv.

Man muß jedoch anmerken, daß die Aufnahmen nur zeigen, wo die größte Aktivität ist und nicht die allgemeine Aktivität im ganzen Gehirn, welche die Aufnahme 2 zeigt.

4. Konkret

Beim Durchgang durch die verschiedenen Teile des Körpers (hier besonders das Gesicht) und beim Erlebnis eines angenehmen Sommertages auf dem Lande, waren besonders das Seh- und das Gefühlszentrum aktiv.

Wenn man diese Aufnahmen sieht (1, 2 und 4), so muß man sich vorstellen, daß die leuchtenden Bereiche sich innerhalb des Gehirns befinden, also nicht nur auf der Oberfläche der Hirnrinde. In der Aufnahme 3 dagegen ist die Aktivität auf der Oberfläche. Alle aktiven Bereiche waren grundlegend gleich, das heißt symmetrisch, in beiden Gehirnhälften.

Die Gehirnbilder wurden in einem PET-Scanner aufgenommen (Positron Emission Tomography), der den Durchfluß des Bluts in den verschiedenen Bereichen des Gehirns mißt. Das geschieht, durch Einspritzen von leicht radioaktivem Wasser als Spurenstoff.

Tomographie kommt aus dem griechischen Wort tomos, das Sektion bedeutet. Im PET-Scanner werden mehrere 4,25 mm dicke Schnitte registriert, so daß man auf diese Weise eine dreidimensionale Aufnahme von der Aktivität des Gehirns bekommt.

Wenn ein Teil des Gehirns besonders viel arbeitet, nimmt die Durchblutung zu. Wenn man dann mehrere Bilder vergleicht, kann man sehen, wo im Gehirn die Aktivität in bestimmten Situationen zunimmt.

Warum ist es interessant?
- ein Kommentar des Psychologen Ronny Öhrnell

Früher hat man nur eindimensional mit EEG, Hautwiderstand, Blutdruck etc. gemessen und gezeigt, daß der Zustand sich verändert hat. Das heißt, daß man eine senkrechte Dimension beschrieben hat, z.B. eine Vertiefung. Den Inhalt des veränderten Zustandes hat man dagegen nicht messen oder nachweisen können. Mit dieser Untersuchung wird eine waagerechte Dimension zu den Messungen über den veränderten Zustand hinzugefügt. Das was in der tieferen Bewußtseinsstufe geschieht, kann jetzt gemessen und gezeigt werden.

Die Untersuchung zeigt, daß die Sinneszentren im Gehirn aktiv sind, aber es geht um eine innere Aktivität. Aus eigener Erfahrung wissen wir, daß unsere inneren Erlebnisse mehr veränderlich sind als die, die wir durch unsere Sinne in der äußeren Wirklichkeit sehen und hören können. Unsere Gedanken, unsere Phantasie oder Träume nehmen ständig neue Formen an. Wenn wir diese Zentren sich mit inneren Erlebnissen beschäftigen lassen, woher kommen da die Impulse, wenn wir sie anscheinend nicht von außen bekommen? Von tieferen Ebenen? Von außen trotz allem? Oder werden sie dort, z.B. in den Seh- oder Gefühlszentren geschaffen? Funktioniert das Sprachzentrum auf dieselbe Weise in der tieferen inneren Ebene? Oder hat es andere Funktionen?

Hier ist also eine „neue" Welt zu erforschen. Das kann man durch Messungen tun, indem man die Messungen mit der Beschreibung, die der Meditierende von dem unterwegs Erlebten gibt, kombiniert.

Die Untersuchung bestätigt auch viel von Entspannung und Meditation, wie es früher und heute von Leuten, die es aus eigener Erfahrung kennen, beschrieben worden ist - und daß es eine andere Wirklichkeit als die der äusseren Sinne ist, die teilweise anderen Gesetzen folgt.

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