Bindu 28

Artikel aus Bindu Nr. 10

Kriya Yoga IV

Über Sadhana, über Zyklen in Heilung und Lernen, und über das Schweigen während der Einweihung in Kriya Yoga

Ich versuche nicht, mich zu ändern
und niemand muß mir sagen
woran ich glauben soll.
Das Leben ist für mich ein Geschenk.
Mein Sadhana ist, beständig
das Leben wie es ist akzeptieren zu können
und anzunehmen was kommt.
Yoga und Meditation sind meine Werkzeuge.
Die Transformation in Gang zu halten, ist alles was ich will.

In den 60er Jahren ging Swami Satyanandas Unterricht tantrischer Methoden, besonders des Kriya Yoga, seinem Höhepunkt zu, um 1968 – 69 zu kulminieren. In den 70er Jahren wurde dieser allmählich von anderen Bereichen der Yogatradition ersetzt, auf die sich sein Interesse oder das Interesse der Schüler, die damals zu ihm kamen, richtete.

Der vierte Artikel über Kriya Yoga

– ein hoffentlich inspirierender, aber auch kritischer Artikel über eine der allerfeinsten und tiefgehendsten Meditationsmethoden, die es gibt. Eine Methode, die Respekt, sorgfältige Vorbereitung und präzises und gründliches Erlernen erfordert, wie auch Weisheit in ihrer Verwendung. Der Artikel hat zwei Teile, von denen der eine hier, und der andere vermutlich in der nächsten Nummer von Bindu erscheint. (Die 3 früheren Artikel über Kriya Yoga findest Du in Bindu Nr. 2, 3 und 5).

Mein Artikel basiert teils auf Swami Satyanandas Unterricht von damals, auf dem Zusammenleben mit ihm, in der täglichen Arbeit in seinem Ashram und seinen mir direkt gegebenen Anleitungen darüber, wie Kriya Yoga unterrichtet werden soll; und teils auf meiner bald 30-jährigen Erfahrung, diese Meditation selbst zu verwenden und es an ca. 2000 Menschen in den jährlichen 3-Monats-kursen und 1-Monatskursen hier in Håå, Südschweden, unterrichtet zu haben. Das hat mir eine ständig größere Einsicht in die Prozesse gegeben, die es ermöglichen, ein tieferes (mystisches) Erlebnis weitergeben zu können.

Hier spielt es eine Rolle, wie man mit Zusammensetzung, Dauer und Timing verschiedener Methoden den Menschen eine wirkliche Einweihung vermitteln kann. Prinzipien, die man in den tantrischen Ritualen wieder findet (siehe meinen Artikel über Tantra und Yoga Nidra in Bindu Nummer 9).

In diesem Teil des Artikels werde ich mich besonders mit Sadhana,
mit Zyklen in Heilung und Lernen beschäftigen, und was es bedeutet, während der Einweihung in Kriya Yoga zu schweigen, warum man es macht und was man damit erreichen kann.

Die Kinder von Gorakhnath

Der Mystiker zieht auf Entdeckungen aus, arbeitet bewußt mit sich selbst, lernt sich selbst kennen. Im Gegensatz zum Philosophen oder Prediger, der auf theoretischer Basis denkt und spricht, ohne selbst erfahren zu haben worüber er andere belehrt (und zur ‚Erfahrung‛ rechne ich nicht die Euphorie, in die jeder sich hineinsteigern kann), so handelt der Mystiker, er sucht und findet.

War es von Anfang an ein Fehler des Mystikers, daß die Leute lieber einer Predigt oder Prophetie zuhörten, statt selbst die Wirklichkeit zu untersuchen und zu erleben? War es weil einige Mystiker von ihren Erlebnissen erzählten (anstatt ihren Schüler die Methoden zu lehren, die ihnen Einsicht hätte geben können), daß Unterschiede entstanden, Übereifer und Tadelsucht gegen Andersdenkende hervorwuchsen? Oder waren es vielleicht die späteren Nachfolger, die in dritter, vierter oder fünfter Generation Regeln aufstellten, wie man sich zur ‚reinen‛ Lehre ‚würdig‛ machen soll? Ein Auswendiglernen, das den einzelnen Menschen daran hinderte, selbst in die Tiefe zu gehen, Einsicht zu gewinnen und „das Wasser des Lebens zu trinken(auch Amrit, Nektar, Ambrosia oder Soma genannt).

Innigkeit und Hingabe sind die feinsten Kennzeichen der Religionen, und das haben sie mit der Mystik gemeinsam. Haben die organisierten Religionen uns inzwischen gelehrt, zusammenzuarbeiten, die Empfindsamkeit einander gegenüber zu erhöhen, Rücksicht zu nehmen, Verständnis zu zeigen, auch denen gegenüber, die eine andere Lebensanschauung, einen anderen kulturellen Hintergrund oder Glauben haben? Was sagt die Geschichte darüber, und wie sieht es heute aus? Sind es nicht eher Weisheit, Einsicht und individuelle Erfahrung, die wir nötig haben? Und nicht Personen, die mit Herablassung belehrend zu uns sprechen.

Eine der grundlegenden Ideen der Weisheit wird übrigens in der innersten Lehre mehrerer Weltreligionen ausgedrückt – habe keine Erwartungen: Wenn Du Dir ein Bild von der Gottheit machst und sie bei ihrem Namen rufst, wirst Du sie nicht erkennen können, wenn Du ihr gegenüber stehst. Du wirst nicht in der Lage sein, Dich zu öffnen, und das Geschenk, die Gunst, die Gnade… entgegenzunehmen.

Irgendwann gelangt der einzelne Mensch an die Stufe auf dem Weg der Evolution, wo es nicht mehr mit dem Verstehen und Wissen von Büchern und Predigten genug ist. Dann muß der Mensch, als Teil der Reifung, selbst eingreifen und bewußt seine Entwicklung weiterführen, indem er die zugänglichen Methoden verwendet, indem er an der Erfahrung teilnimmt, die von Mensch zu Mensch weitergegeben wird.

Künstler: Ingela Hageman, Stockholm

Hier möchte ich gerne den bekannten Verfasser und Yogi Gopi Krishna zitieren:

„Von ganzem Herzen wünsche ich, daß man in der Nachforschung über das Bewußtsein sich der mystischen Tradition anstatt der Methoden der traditionellen Psychologie bedienen würde – um der Welt ein korrektes Verständnis von dessen Evolution zu geben. Intellektuelle Abhandlungen werden, wenn sie eine gewisse Grenze überschreiten, nur zu Verwirrung und Chaos führen. Und das auf einem Gebiet, wo Erfahrung aus erster Hand notwendig ist, um die Wahrheit zu erkennen. Wie bei der Erforschung des Raumes, kann eine intellektuelle Studie uns nur ein kurzes Stück auf dem Weg helfen. Danach wird es ganz notwendig, ein Teleskop zu benutzen, um die korrekte Position kennenzulernen. Auf dieselbe Weise ist es essentiell, in die Tiefe des eigenen Wesens zu tauchen, wenn man die Wirklichkeit kennenlernen möchte.
(Gopi Krishna)

Gopi Krishna kommt aus Indien, aber auch dort gibt es „Yogis", die so vernarrt in das Vereinfachte und Populäre, in Erklärungen und Heiligkeit sind, daß sie nicht durch das Fernrohr des Mystikers zu blicken vermögen.

In der Geschichte des Yoga wurde der eigentliche Yoga von den Yogis lebendig gehalten, die die Übungen gemacht und die Meditationen verwendet haben. Laß mich den Meister Gorakhnath nennen. Er wird zu den ganz großen Meistern gerechnet, und als solcher steht er neben Buddha und Patanjali. Aber er gab den Leuten nichts wovon sie träumen könnten, keine Ideale, er zeigte auf Handlung und Konsequenz, wenn er gefragt wurde. Deshalb wurde er nicht ganz so bekannt in der breiten Masse.

Gorakhnath und andere Yogis wurden oft von Interpreten nachgefolgt und deshalb mit Philosophen und Moralisten verwechselt. Diese Nachfolger waren Leute, die selbst nicht fortgeschrittenen Yoga und Meditation gesucht hatten, noch weniger hatten sie es durch eine eingehende und andauernde Verwendung untersucht. Sie hatten keinen Drang zur Transformation, die Möglichkeiten und feineren Zustände zu entdecken, das Ganze, das Selbst zu entdecken. Statt dessen kamen sie mit ellenlangen Erklärungen, in denen sie Yoga idealisierten und den Menschen Unnötiges abverlangten.

Die Yogis haben erfahren, daß der Yoga transformierend ist, und daß keine Veränderung deines Temperaments oder deines grundlegenden Benehmens im voraus notwendig ist, weil als Folge der Verwendung von z. B. Kriya Yoga eine Harmonisierung von Geist und Körper eintritt, die wiederum eine Veränderung deines grundlegenden Zustandes zur Folge hat.

Während die Moralisten und Philosophen Anspruch auf Verständnis und Ethik erheben, als eine Voraussetzung dafür, daß man zu meditieren beginnen kann – während sie die Andersdenkenden verleumden und verdächtigen und religiöse Kriege anfangen, beginnt der gewöhnliche Mensch zu meditieren, erlangt Ergebnisse und wundert sich darüber, was all dieser Lärm zu bedeuten hat.

Wenn es etwas gibt, was uns der Harmonie und einer natürlichen Ethik näherbringt, wie z.B. damit aufzuhören, unsere Mitgeschöpfe – sowohl Menschen wie auch Tiere – zu plagen, so ist es eine gute und echte Meditation. Aber davon wollen diese Hüter der Moral und Lebensweise anderer Leute nichts hören. Sie möchten lieber in Verstellungen leben und ihre eigene Angst in ihren Warnungen spiegeln, statt einzusehen, daß die menschlichen Qualitäten und das menschliche Genie sehr wohl als Ergebnis der Verwendung von Meditation gestärkt werden können.

Vielleicht willst Du sagen, lieber Leser, daß die Leute eher träumen wollen, von Dingen hören, an Berichte glauben, als selbst den Weg zu gehen und die Transformation zu erleben. Daß sie lieber sich selbst und andere mit dem Gefühl von Unzulänglichkeit und Frustrationen quälen, weil sie nicht ihre hoffnungsvollen Ideale erfüllen können – als wirklich etwas auszurichten und Klarheit und Einheit zu suchen? Und es steckt vielleicht etwas wahres darin...

Künstler: Ingela Hageman, Stockholm

Rama Krishna erzählte von einem Korridor in einem Haus, an dessen Ende es zwei Türen gab. An der einen Tür stand „Himmel” und an der anderen „Vortrag über den Himmel”. Wenn man auf den Boden vor den zwei Türen sah, so war der Lack vor der Tür, die zum Vortrag führte, bis auf die Bodenbretter total ausgetreten. Vor der Tür zum Himmel war der Lack so rein und frisch wie am Tag, als er aufgestrichen wurde.

Vorträge, wie inspirierend sie auch sein mögen, bleiben Vorträge, Wissen aus zweiter Hand und geistige Unterhaltung.

Es ist nicht nur die Persönlichkeit, oder der Geist, worum es geht, auch nicht der Körper - sondern die Essenz, das was tiefer liegt, die Seele, das Selbst… Wenn Du in Deine eigene Essenz gelangst, so erlebst Du auf einmal, daß Du das Ganze umfaßt, und daß alles Teil derselben Ganzheit ist. Aber wenn Du Dich nur mit einem Teil der Ganzheit identifizierst, z.B. mit dem Geist, so verlierst Du das Ganze. Das Wort Geist bedeutet ursprünglich „Schrecken der Seele. Die Seele, das Bewußtsein, das was Du eigentlich bist, vergißt sich selbst und identifiziert sich statt dessen mit dem Inhalt des Geistes, mit Verstehen, Kummer, Plänen, was man im nächsten Augenblick, in einem Monat, in einem Jahr zu tun hat, der Zeit, dem Tod und dem Traum von einem Leben nach diesem, von einem anderen Ort, und so ist es egal, ob Du es Auferstehung oder Wiedergeburt nennst. Die Tür zum Himmel heißt hier und der Schlüssel zur Tür heißt jetzt.

„Was ist das größte Hindernis zur Selbsteinsicht, fragte mich eine Schülerin im diesjährigen Dreimonatskurs. „Das sind Erwartungen aller Art”, antwortete ich. Der Mystiker ist anwesend und gegenwärtig in allem, was er macht, oder strebt danach. Während andere es eilig haben, Bedingungen und Mythologien zu erfinden, ihnen zu folgen und an sie zu glauben, um das Leben zu ‚verstehen und seiner würdig zu werden, durchschaut dies der Mystiker und erlangt Ergebnisse, indem er den Yoga verwendet. Er weiß, daß man kein perfekter Mensch sein muß, um die Werkzeuge des Yoga anwenden zu können. Nein, eine solche Idee bringt nur Schuldgefühle und schlechtes Gewissen mit sich, weil in der Welt der Vorstellungen keine Veränderung geschieht.

Damit ist nicht gemeint, daß es nicht Dinge gibt, die man können soll oder keine Maßregel, die man berücksichtigen soll, wenn man eine Transformation durchleben möchte. Darum geht es unter anderem in diesem Artikel.

Was ist denn Gorakhnaths Verdienst? Daß er nie der Versuchung erlag, sich selbst auf Kosten der anderen schlau zu machen, Philosoph, Prophet oder dergleichen zu werden? Daß er nicht Yoga für Moral oder Religion oder New Age verkaufte? Daß er ihn nicht verkleinerte oder modifizierte, nicht leichter, kürzer oder geringer machte, so daß die Wirkung verlorenging. Im Gegenteil, er gab Anleitungen, so daß die Leute ihre eigenen Erfahrungen machen konnten. Er hatte Vertrauen, daß sie es könnten, weil er wußte, was er unterrichtete. Er hatte unaufgefordert selbst den Weg gesucht und war ihn gegangen. Er kannte die Wirkungen und Möglichkeiten des Yoga aus eigener Erfahrung.

Daß der Yoga wirkt, wissen auch die Ärzte heute. In einer Besprechung in der britischen Zeitschrift The Lancet u.a. über die wissenschaftliche Untersuchung von Yoga Nidra in einem PET-Scanner, von der wir in der letzten Nummer von Bindu schrieben, schlußfolgert der Verfasser des Artikels:

„Yoga ist keine Schnellreparatur für die Gesundheit, aber er kann Überraschungen für den enthalten, der bereit ist sich die Mühe zu machen. (Kelly Morris)

Künstler: Ingela Hageman, Stockholm

Sich an das Licht gewöhnen…
Sadhana - bewußt an seiner eigenen Reifung teilnehmen

„Der Begriff ‚Sadhana‛ kommt aus der Wurzel ‚Sadh‛, das ‚zu streben‛ bedeutet – nach einem bestimmten Ergebnis oder Siddhi [besondere Fähigkeit]. Sadhana ist das Mittel für den Menschen, um das Ziel des Lebens zu erreichen. Ohne Sadhana kann niemand die Bestimmung des Lebens erfüllen (Swami Sivananda)

Für mich ist der jährliche Dreimonatskurs, der Kriya Yoga-Unterricht, die Arbeit mit den Yogalehrern und die Struktur des Kursorts Håå als ein Ashram eine große Hilfe, um ein intensives Leben zu leben. Das gilt nicht nur für mein Inneres, sondern auch in meiner Kommunikation und Begegnung mit anderen Menschen. Es ist im allerhöchsten Grad eine Arbeit mitten in der Gesellschaft, wo ich in einen kreativen Prozeß eingehe, zusammen mit den Menschen, die sich für eine Periode der Arbeit mit sich selbst entschieden haben. Dieses Zusammenspiel hilft mir, meine eigenen Kanten abgeschliffen zu bekommen und einzusehen, daß meine innere Welt nicht die einzige ist, sondern daß alle Menschen ihre eigene einzigartige Welt haben. Sie kommen mit verschiedenen Hintergründen, Möglichkeiten und Fähigkeiten.

Das tantrische Aufmerksamkeitstraining, das ein Teil sowohl des Unterrichts als auch des Alltags im Ashram bildet, ist eine Form von künstlerischer Arbeit. Für jeden Künstler und jedes Lehrer-Schüler-Verhältnis gilt es, sein Gebiet und sein Instrument zu beherrschen. Hier ist das Instrument jedoch der Körper, der Geist, die Persönlichkeit und die Aufmerksamkeit im Ganzen – und es geht darum, selbst aktiv an dem schöpferischen Prozeß, der das Leben ist, teilnehmen zu lernen.

Wir gehen schrittweise voran:

Der Yoga und die Meditation machten mich auf die Spannungen aufmerksam, die lange Zeit in meinem Körper und Geist gewesen sind. Dieselben Krisen kamen zwar immer wieder, aber jedes Mal wurde ich geschickter und besser darin, sie zu bewältigen.

Während eines Teiles des Kurses erlebte ich die trübsten Depressionen, aber allerhöchstens 5 Minuten auf einmal. Früher hätte es Monate lang gedauert, dasselbe durchzugehen. Es ist teils dem wunderbaren Kriya Yoga und teils dem tantrischen Training zu verdanken.
(Synne, Schülerin eines 3-Monatskurses, aus Dänemark)

Ein Dreimonatskurs ist ein Kurs von einem ganz speziellen Charakter. Er ist ein Sadhanakurs. In einem Sadhana macht man Gebrauch von „dem das zum Ziel führt”. Es umfaßt alles, was dazu beiträgt, das Bewußtsein zu erwecken und es wach zu halten, vom Zusammenleben mit einem Lehrer, Verwendung von Methoden, uneigennützigen Arbeiten und Handlungen, bis zum Aufmerksamkeitstraining im Alltag – und daß man genug Zeit für all dies hat, damit es sich verwurzelt.

Im Laufe der drei Monate, die der Sadhanakurs dauert, lernt man nicht nur einige der fortgeschrittensten Yoga- und Meditationsmethoden, wie Kriya Yoga, Prana Vidya, Chidakash Dharana und weitergehende Variationen von Antar Mauna (Innere Stille) zu verwenden, sondern – aus dem 33-tägigen Schweigen als Höhepunkt entsteht ein wirklicher Überblick.

Man kann dies eine Einweihung nennen. In gewisser Hinsicht gleicht es den Vision Quests der Indianer und den Walkabouts der Australier – eine (oder mehrere) Periode(n) im Leben, wo man eine Pause von allen äußeren Einflüssen macht, um besser sehen zu können, sowohl nach hinten als auch nach vorne, und vor allem in sich selbst zu ruhen und seine inneren Ressourcen erwecken zu können.

Solch eine Periode symbolisiert auch die tägliche Meditation, die man nachher verwenden kann, um das Erreichte bewahren zu können.

Der Drang zu einer Periode von Sadhana ist in vielen Menschen tief verankert. Daß man für einen Augenblick innehält und das ununterbrochene Bombardement von Informationen, Nachrichten, Werbung und Medienlärm los wird, um durch Sadhana auf eine konkrete Weise das Innerste, Aufrichtige und Echte zu suchen und zu erzielen. Eines Tages hat man genug davon über Wohlbefinden, Energie, Konzentration und andere Zustände nur zu denken, zu lesen, zu hören und zu sprechen. Jetzt will man seine eigene Erfahrung machen – man will etwas damit anfangen.

Man kann sagen, daß die Lust, Sadhana zu machen, eine Voraussetzung zum Erlernen von z.B. Kriya Yoga ist. Kriya Yoga ist nicht etwas, das man wie „so ein Ding muß ich auch haben” sammelt.

Derjenige, der Kriya Yoga zu lernen wünscht, sucht etwas mehr als bloß eine bestimmte Methode, er oder sie sucht etwas ungeheuer Wertvolles, von dem Kriya Yoga nur ein Teil ist und was man mit dem Wort Sadhana ausdrückt – ein transformierender Prozeß, der zur Begegnung mit sich selbst führt.

Im Osten gibt es Leute, die wenigstens einmal in ihrem Leben ein Zenkloster in Japan, ein buddhistisches Kloster in Thailand oder einen indischen Ashram aufsuchen, um ein Training zu bekommen – das mehrere Monate, manchmal sogar Jahre dauert. Sie tun es, um ein Fundament für ihre Entfaltung im Leben zu schaffen und eine geistige Verankerung zu bewahren – in sich selbst und in den Werten, die eine wirkliche Lebensqualität sichern.

Es sind Leute, die es ernst meinen. Sie tun es nicht, weil andere es tun, nicht wegen Konventionen oder weil es in Mode ist. Sie suchen nicht nach Kompromissen, äußerlichem theoretischem Wissen oder entwässerten Instant-Methoden, um ihre Neugier zu stillen – Methoden, die keine oder nur eine kurzzeitige Wirkung haben. Sie suchen nach einer unausweichlichen Situation, die darauf angelegt ist, daß man sich selbst begegnen, seine Fähigkeiten entdecken und seine Einheit mit dem Universellen einsehen kann.

Sie besuchen nicht einen Kurs nach dem anderen, einen Guru nach dem anderen oder nur Wochenendkurse. Sie wissen, daß es nicht möglich ist, eine wirkliche Einsicht oder eine Einweihung von dauerhafter Wirkung in kurzer Zeit oder in kleinen Bruchstücken zu erreichen. Sie bauen nicht ihr Suchen auf Eile, Rastlosigkeit oder ‚leichte‛ Lösungen auf - das war nie Teil der Tradition.

Sie sind auch nicht übertrieben physisch von ihrem Körper gefesselt oder von einem mentalen/emotionellen Narzißmus oder von Selbstbezogenheit besessen, wie man es heute innerhalb gewisser Yogazweige und Therapien findet, in denen der Körper oder die Gedanken und Gefühle alles sind - und in denen das Selbst und eine größere Ganzheit nicht erkannt werden.

Der dreimonatige Sadhanakurs ist ein unentbehrlicher Teil der vierjährigen Vollzeit-Yogalehrerausbildung der Skandinavischen Yoga und Meditationsschule. Aber weil der Kurs sehr umfassend ist, nehmen auch Yogalehrer, die andere Ausbildungen hinter sich haben, teil, nicht nur um weiterzukommen und eine noch bessere Kenntnis von Yoga und Meditation zu gewinnen, sondern auch um den inneren Hintergrund in Ordnung zu bringen.

Was sind es sonst für Menschen, die sowohl hier in Småland, im Osten als auch wohl in anderen Orten sich entscheiden, eine wirkliche Sadhana-Periode zu erleben? Es sind Menschen, die etwas mit ihrem Leben wollen, sie sind Künstler, Musiker und vor allem ‚gewöhnliche‛ Menschen, und – was typisch besonders für Japan, aber auch bei uns in Schweden ist – Chefs aus dem Wirtschaftsleben und Leute aus Wissenschaft, Politik und den Medien. Denn was ist das Ganze wert, was man im Leben bewirkt, wenn man nicht selbst dabei ist?

Das Schweigen

„Ich entdeckte auch, daßes einen Unterschied gibt, zwischen etwas über etwas zu denken und es wirklich zu erleben und dabeizusein. (Synne)

Es ist ganz sicher toll, in die Natur zu gehen und darüber zu reden, wie schön sie ist, wie die Bäume oder das Sternbild, das Du unter allen anderen Sternen siehst, heißen. Aber es ist etwas anderes, mit dem Ganzen vereint zu sein. Die Felder, Bäume, Häuser, Tiere und alle Sterne auf einmal zu erleben, als Teil derselben Ganzheit, als das All. Ohne davon zu reden, ohne das zu beschreiben oder ihnen Namen zu geben – sondern darin zu sein und Teil davon zu werden – dieser Zustand wird Brahmacharya genannt – Du bist eins mit Dir selbst und allem anderen. Diesem Erlebnis gegenüber schweigt der Geist.

Ist es sensationell, Schweigen zu halten?

Vor ein Paar Jahren war es plötzlich eine große Nachricht in den Medien, daß Leute aus vielen Ländern zu unseren 3-Monatskursen kommen, um für 33 Tage zu schweigen. „Die ganze Welt hält Schweigen in Ljungby, schrieb Expressen, eine der großen schwedischen Zeitungen, in ihrer Schlagzeile. Die „Neuheit" verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und Zeitungen und Radiosender über die ganze Welt fokussierten auf diese eine Sache, das Schweigen, und daß Leute dafür bezahlten, einen Monat schweigen zu dürfen. Daß das Schweigen ein Teil eines größeren Zusammenhangs mit allen anderen Aktivitäten wie Yoga – Entspannung – Karma Yoga – Darmspülung – Musik – Tanz – Meditation und Aufmerksamkeitstraining war, war offensichtlich weniger interessant.

‚Neuheit‛ dachten wir untereinander, während wir die Journalisten willkommen hießen und uns für Interviews zur Verfügung stellten. Wir haben trotz allem diese Kurse seit bald 30 Jahren gehalten, und vor uns gab es andere, die Schweigen seit Tausenden Jahren verwendet haben, innerhalb Yoga und an anderen Orten, auch im Westen.

Der Rest ist Schweigen

„Von echtem Gefühl zum unmittelbaren Empfinden der Schönheit, von Lust und Schmerz zu Liebe und mystischer Ekstase und Tod – alles was grundlegend ist, alle Dinge, die für die Seele des Menschen von allertiefster Bedeutung sind, können nur erlebt, nicht beschrieben werden. Der Rest ist für immer und überall Schweigen.
(Aus Music at Night von Aldous Huxley, aus dem Essay: The rest is Silence.)

Eine Zeitlang zu schweigen, während man Yoga und Meditation lernt, steigert die Fähigkeit zur Vertiefung und gibt ein direkteres Erlebnis von allem.

Das Schweigen trägt dazu bei, tiefer liegende Spannungen im Gehirn zu entfernen. Wenn ich nicht die ganze Zeit irgendwelche Meinungen festhalten oder verteidigen muß, wenn ich es nicht nötig habe alles zu erklären oder zu allem um mich herum Stellung zu nehmen, entspannt sich mein Geist und öffnet sich.

Weil die mehr intellektuellen Aktivitäten des Gehirns wie Analyse, Beurteilung, Lesen, Sprechen und Schreiben besonders in der linken Gehirnhälfte stattfinden, so trägt das Schweigen (zusammen mit der Atemübung Nadi Shodan und der Tiefenentspannung Yoga Nidra) dazu bei, ein besseres Gleichgewicht im Gehirn zu schaffen. Der Teil des Gehirns, der sich mit Ganzheit, Farbe, Form, Musik und Gefühlen beschäftigt, darf mit dabei sein.

Die Offenheit läßt Entscheidungen oder Ideen, die während dieser Periode entstehen, ungehindert von den eigenen Gewohnheiten oder dem Zweifel und der Mutlosigkeit der anderen passieren, so daß sie das Leben später prägen können.

Zusammen mit Yoga und Meditation verstärkt das Schweigen für den Praktizieren- den sowohl das Erleben seiner selbst, als auch sein Erleben der anderen Menschen und der umgebenden Natur.

„Als die Sinne geschärft wurden, wurden die Alltagserlebnisse kräftiger. Dann und wann bin ich stehengeblieben und habe mich gewundert: ,Ist dies möglich‛?” (Synne)

Das Schweigen ist Teil aller Kurse in Håå

Schweigen, Mauna, ist nicht Kriya Yoga an sich, sondern eine ursprüngliche Voraussetzung für die Einweihung. Man lernt Kriya Yoga unter vollkommenem Schweigen. Kein Lesen, kein Schreiben, kein Gerede.

In den 3-Monatskursen, wie gesagt, wird 33 Tage und in den 1-monatigen Kriya Yoga-Kursen 21 Tage während des Erlernens von u.a. Kriya Yoga geschwiegen.

In den 10- und 14-tägigen Kursen schweigt man 2½ Tage während man die feineren Stufen von Ajapa Japa lernt. Komischerweise erleben oft diejenigen, die ‚nur‛ 2½ Tage zu schweigen haben, es als sensationeller, als die, die sich entschieden haben, einen ganzen Monat zu schweigen. Es hat sicher etwas damit zu tun, daß man sich auf eine längere Schweigeperiode eingestellt hat, aber auch damit, daß wir in den ersten 5 Wochen der 3-Monatskurse Zeit haben, den Teilnehmern eine gründliche Vorbereitung zu geben. Hier lernst Du u.a. die Meditations- und Yogamethoden, die in einem 14-Tageskurs unterrichtet werden, und hier hast Du noch mehr Zeit, in die Tiefe zu gehen und dich daran zu gewöhnen sie anzuwenden. Wenn wir dann mit dem langen Schweigen beginnen, soll der Körper gut trainiert und der Geist konzentrierter und ruhig sein.

Zusammensein

„In der Gruppe wurden wir feinfühlender einander gegenüber,es war größere Zuneigung zwischen uns vorhanden, aber auch unsere Zusammenstöße wurden stärker erlebt. (Synne)

Während des Schweigens erlebt man einander deutlicher, als wenn man die ganze Zeit redet. Man ist mehr für einander da.

Die Menschen entdecken in der Regel, daß man auf andere Weise kommunizieren kann. Doch nicht so, daß man die ganze Zeit Pantomime miteinander spielt.

Die ganze Energie, die man normalerweise verplaudert, wird gespart und durch den Yoga kanalisiert. Dadurch ruht man in sich selbst, und Mißverständnisse entstehen nicht so leicht. Das ist auch im Verhältnis zum Lehrer und Unterricht wichtig.

Im Laufe der Jahre haben Mütter, die auf dem 3-Monatskurs zusammen mit ihren Kinder gewesen sind, danach erzählt, daß das schweigende Zusammensein mit ihren Kindern ihrem Kontakt eine neue Dimension eröffnet hat.

Und dann gibt es natürlich diejenigen, die erleben, daß ihre Intuition durch das Schweigen, kombiniert mit Meditation, klarer geworden ist.

Der Geist wird in Ruhe gelassen

„Es ist im buchstäblichen Sinne als wäre ein Panzer entfernt worden, so daß ich direkten Kontakt mit dem Leben habe, das um mich herum existiert, mit Licht und Luft.” (Synne)

Das Kurszentrum Håå befindet sich auf dem Lande in Südschweden ca. 25 Km südlich von Ljungby. Es ist ein Gebiet mit einer sehr abwechslungsreichen Natur, mit Wäldern, Feldern, einem Flüßchen und Seen, mit reichlich Gelegenheit für Ausritte, Spaziergänge und Kanufahrten.

Die Umgebung des Kursortes ist somit ziemlich ruhig. Es gibt auch weder Zeitungen oder Zeitschriften, noch Radio oder Fernsehen, und während der Schweigeperiode wird die Post der Schüler beiseite gelegt. Der Unterricht und der ganze Aufbau bewirken jedoch, daß man genug zu tun und zu erleben hat, man langweilt sich nicht.

Wenn die äußeren Stimuli und Einflüsse reduziert werden, wenn, unterstützt von Yoga und Meditation und dem Willen dieses zu erreichen, Rastlosigkeit und Selbstbezogenheit einen nicht mehr beherrschen können, dann werden sowohl die innere als auch die äußere Aufmerksamkeit gestärkt.

„Nach meiner ersten 33-tägigen Schweigeperiode bereute ich, obwohl ich nicht redete, daß ich nicht wirklich still gewesen war. Ich sah ein, daß ich mir eine sehr wertvolle Gelegenheit entgehen lassen habe. Auf den späteren Kursen habe ich das Schweigen noch mehr zu schätzen gelernt.
(Robin Taylor, von Queensland in Australien)

Dem Leben wird eine reiche Dimension hinzugefügt (Qualität statt Quantität). Das ist einer der Gründe dafür, daß Kriya Yoga während einer langen Periode vollkommenen Schweigens erlernt wird. Je länger das Schweigen dauert, desto mehr entspannt sich das Gehirn und stärkt sich die Fähigkeit, sogar sehr feine Dinge wahrzunehmen.

Der Schüler kann jetzt auf eine ganz andere Weise die Nuancen im Unterricht auffassen, und lernen, was er oder sie braucht. Wenn man nicht miteinander redet, stört man einander nicht mit der Auffassung des anderen oder einer großartigen Beschreibung. Es sind eigene Erlebnisse, die gelten, und das ist das Beste. Alle sind auf diese Weise ebenbürtig. Von da an geht man tiefer.

Wenn Kriya Yoga als eine Einweihung gelernt wird, in einer Situation, in der alle notwendigen Bedingungen erfüllt sind - wie wir im anderen Teil des Artikels sehen werden - und nicht als ein emsiges und abgehetztes mechanisches Erlernen, dann kann er Sachen beinhalten, die nur während eines langen Schweigens verstanden oder möglich werden können. Man hat Zeit zu erleben.

Diese Empfindsamkeit und Aufmerksamkeit entstehen nicht, oder werden verspielt, wenn durch vieles Reden, Meinungen und Beurteilungen der direkten Einsicht den Weg verstellen. Darum enthält die Periode des Lernens selbst keine oder sehr wenig Theorie und Erklärungen – auch der Lehrer ist auf diese Weise recht schweigsam. Mit seinen Anleitungen hat er die Absicht, dem Schüler ein direktes Erlebnis zu ermöglichen.

Retreat und die Pyramide

Im Kurszentrum haben wir einen Isolationstank, der nach den Ideen und Anweisungen von Dr. John C. Lilly gebaut ist. Er ist außerdem komfortabel groß, extra schalldicht und pyramidenförmig. Hier wurde ein Milieu geschaffen, wo die Sinneseindrücke minimal sind. Du hörst nichts, siehst nichts, liegst ganz still und treibst auf dem körperwarmen Salzwasser auf dem Rücken. Das Wasser trägt Dich, so daß Du kaum die Schwerkraft spürst. Die Luft ist gut ventiliert und die Temperatur stabil.

Wenn der Geist für eine Zeitlang keine neue Impulse durch die Sinne bekommt, wird er ruhig. Keine ‚neuen Gedanken entstehen. Der Geist hat Zeit, sich zu entleeren, und wird gestärkt, um zukünftigen Einflüssen gefaßt und mit Überblick begegnen zu können. Nach einer Stunde in der Pyramide kommt man in einem Zustand starker und ungestörter Ruhe wieder heraus.

Diese Pyramide ist für mich ein Symbol für etwas, dem wir viele Namen gegeben haben: ein Refugium, ein Retreat, eine Freistätte, ein Sadhanakurs. Die Stille und der Mangel an Ablenkungen im Kursort sind notwendig, um zur Ruhe zu kommen und ohne Scheu mit den von uns benutzten Methoden in die Tiefe gehen zu können.

Dauer des Schweigens und der Einweihung
Ein biologischer Zyklus

Wir sind daran gewöhnt, daß Maschinen unsere Befehle sofort ausführen, wenn wir auf einen Knopf drücken, und manchmal vergleichen wir unser Gehirn mit den Computern. Die meisten von uns existieren in einer Welt von Lärm und Automatik. Wir hetzen die ganze Zeit weiter zum nächsten Sinneseindruck, zur nächsten Aufgabe, zum nächsten Film, zum nächsten Musikstück im Radio, zur nächsten Nachricht, zum nächsten Rausch.

Es ist deshalb leicht zu vergessen‛, daß das Leben sich in Übereinstimmung mit organischen Gesetzen entfaltet, und es dauert seine Zeit, wie auch die Jahreszyklen und die Monatszyklen dauern.

Nichts in der Natur kann forciert werden. Und wenn wir es trotzdem versuchen, so können wir alles mögliche riskieren, vom starken Schock bis zu Reaktionen von Disharmonie, Frustration oder vollkommener Gleichgültigkeit, weil wir nichts von dem finden oder erreichen, was wir eigentlich suchen.

Man kann Kriya Yoga nicht kaufen. Man bezahlt, außer für den Aufenthalt, der Verpflegung und den Platz im Kurs, den man reserviert hat, dafür, daß für die Lehrer die Möglichkeit besteht, da zu sein, und daß diese Situation oder der Ashram zur Verfügung steht.

In einigen südlichen oder östlichen Ländern kann man z.B. nicht, wie in Nord- und Mitteleuropa und in den USA, in ein Geschäft gehen oder am Bahnhof einfach so das verlangen, was man haben will, wenn man nur bereit ist, dafür zu bezahlen. Man muß dem Menschen, der auf der anderen Seite des Ladentisches steht, Aufmerksamkeit schenken.

Ich habe gesehen, wie ein Europäer es aufgeben mußte, Streichhölzer in einem kleinen Laden in Israel zu kaufen. Er schaffte es nicht, es zu unterlassen, den Kaufmann wie einen Automaten zu behandeln. Ich habe gesehen, wie ein Amerikaner auf dem Bahnhof in Delhi dem Zusammenbruch nahe war, als er glühend heiß und mit rotem Kopf Ansprüche stellte, ohne Respekt für den, der am Schalter saß, aufzubringen. Und es hilft nicht, sich zu verstellen. Du mußt selbst dabei sein.

Wir wissen nicht, was wir verpaßt haben – egal wieviel wir bezahlt haben, egal für wie viele Kurse wir uns anmelden, egal wie viele Reisen wir unternehmen – weil wir es nie im Jetzt erlebt haben, wir hatten keine Zeit. Es war ja etwas anderes, was wir danach vor hatten – morgen, nach dem Kurs, im Sommer, im Winter, wenn wir bessere Bedingungen bekommen...

Wir vergaßen zu leben, während wir es taten.

Wir versuchen, leichte Lösungen zu wählen – schnelle Lösungen – entwässerte Lösungen, die keine wirkliche Herausforderungen mit sich bringen, sondern nur eine Kostprobe, einen Flirt, ein Interesse – und unsere vorgefaßten Meinungen hindern uns, etwas neues zu lernen.

Mit anderen Worten, wenn wir nicht unseren biologischen Zyklen folgen, riskieren wir, das Ziel zu verfehlen.

Außer während eines Kurses für eine längere Periode zu Schweigen - hier ein paar Ideen für den Alltag:

„Sie haben die Vorstellung, daß wenn Leute sich treffen, ein Schweigen die Konversation bedeutend verbessert: was, wie ich zugeben muß, richtig ist; da in den kleinen Pausen während eines Gespräches neue Ideen in ihren Gedanken auftauchen, die in allerhöchstem Grad die Diskussion beleben.

(Über die Yahoos aus Gullivers Reisen von Jonathan Swift)

Schweige dann und wann zusammen mit anderen z.B. während der Dämmerstunde,
was eine alte Tradition u.a. in Deutschland und Skandinavien ist. Siehe Bindu Nr. 4: Die Dämmerstunde - Zeit zum Sein:

„Im Frühjahr und Herbst spielten wir Kinder nach dem Abendessen draußen. Ich erinnere mich, daß ich lärmend in die Stube kam und meine Eltern da im Zwielicht saßen, ohne etwas zu sagen. Es war nicht gerne gesehen, daß man störte, auch nicht im Hause der Kameraden, wo ihre Eltern so saßen.

Und das Offenbare: Rede nicht von gleichgültigen Sachen, welche dich und andere ihre Gegenwart im Jetzt vergessen lassen.

Das Schwatzen kann man auch weglassen, wie auch die ewige Tadelsucht: positiv-negativ, schön-eklig. Du kannst ja selbst die Liste ergänzen, wenn du Zeit verschwenden willst.

Als ich 1970 von Indien nach Hause kam, traf ich eine Reihe dänischer Yogalehrer mit langer Unterrichtserfahrung. Sie nannten einen, der unnötig viel redete, einen Prana-Fresser.
(Prana = Vitalenergie).

Sieben Jahre sind eine Art von biologischem Zyklus, habe ich gelernt. Im Laufe dieser Zeit, sagt man, werden alle Zellen des Körpers ausgetauscht, ausgenommen einiger Nervenzellen. Ebenfalls gibt es Zyklen von zwölf und zwanzig Jahren. 21 Tage sind auch ein Zyklus, es ist die Zeit, die der Körper braucht um zu heilen. Die Proteine werden im Laufe von 21 Tagen erneuert, wie auch die äußere Schicht der Haut. Nicht nur der Körper nimmt an diesem Prozeß teil, auch der Geist – bewußt und unbewußt – braucht Zeit zur Änderung.

Als ich Kriya Yoga von Swami Satyananda lernte, dauerte es ca. 33 Tage. Dazu kam die Vorbereitung vor und die Verdauungsperiode nach dem Schweigen, wo man sich daran gewöhnte, die verschiedenen Kriya Yoga-Programme in geborgenen Verhältnissen zu verwenden. Er hatte Zeit dazu, die Bedingungen, die ihm zufolge in der Tradition begründet liegen, einzuhalten: u.a. daß jedes Kriya in einer bestimmten Reihenfolge gelernt werden muß, daß die Anleitungen eine gewisse Anzahl Male wiederholt werden müssen und daß man bei den meisten Kriyas nur ein neues pro Tag lernt, gleichzeitig damit, daß man mit den schon erlernten ‚aufwärmt‛, und mit einer bestimmten Meditation, die man während des Lernens verwendet, beendet.

Es soll auch andere Zyklen geben, sogenannte Biorythmen, 33 Tage für den intellektuellen Zyklus, 28 für den emotionellen und 23 Tage für den physischen Zyklus.

Es ist also wichtig, daß eine Einweihung während einer Periode stattfindet, in der Du diese Zyklen durchleben kannst. Deshalb dauern die kürzesten Kriya Yoga-Kurse bei uns 1 Monat, wo die Schweigeperiode 21 Tage lang ist und die langen 3 Monate mit 33-tägigem Schweigen.

Wir sind keine Maschinen, sondern lebendige organische Wesen. Wie das Leben einer Blume, vom Samen bis zur Blüte, wie ein Zyklus beschrieben werden kann, wo alle Phasen ihre Entwicklungszeit brauchen, so geschieht das Lernen am besten während eines Zyklus von einem ganzen Monat mit ca. 33-tägigem Schweigen.

Zu den 1-Monatskursen, mit 21-tägigem Schweigen, kommen nur Leute, die im Voraus in einem 10- oder 14-Tageskurs gut vorbereitet worden sind, d.h. die vorher meditiert haben, so daß Körper und Geist das Unterrichtete aufnehmen können, und die Energie den Reinigungsprozeß durchlaufen kann, den das Lernen der 24 Kriyas, die ich unterrichte, mit sich bringt.

Es gibt vieles innerhalb des Yoga, das mit vollem Recht Kriya genannt wird, z.B. die vielen Hatha Yoga Shatkarma oder Kriya, die physischen Reinigungsprozesse. Auch im Raja Yoga hat Patanjali einige Disziplinen, die er Kriya Yoga nennt, aber sie sind von mehr disziplinarischer mentaler Natur, und haben nichts mit dem tantrischen Kriya Yoga zu tun. Die Meditationen, die wir in den 10- und 14-tägigen Kursen unterrichten, Quelle der Energie und Ajapa Japa dienen zur Vorbereitung für das Erlernen von Kriya Yoga, und sie werden auch von gewissen Lehrern Kriya Yoga genannt. Was die Reinigungsprozesse betrifft, sind sie natürlich Teil unserer Kurse, u.a. in der Vorbereitung auf den großen tantrischen Kriya Yoga.

Auf einem der ersten 3-Monatskurse, in dem ich unterrichtete, mußte ich eines Tages am Ende des Schweigens zusammen mit unserem Koch nach Kopenhagen fahren. Als wir von der Fähre an Land gingen, wunderte ich mich über die Gesichtsausdrücke der Leute. Sie wirkten so hart. Deshalb fragte ich meinen Begleiter, ob es eine Krise gäbe oder etwas ähnliches? Wir fanden keine Erklärung. Aber als wir zu den Schülern im Kurszentrum zurückkehrten, sahen wir, daß wir uns an die sanften Gesichter gewöhnt hatten, die die Leute im Kurs nach und nach bekommen hatten. Das Schweigen und der Yoga bewirkten, daß sie nicht mehr bewußt oder unbewußt versuchten, an ihrer Maske festzuhalten.

„Es wurde deutlicher für mich, welche Sachen mich täglich hemmten, z.B. meine Besorgnis darüber, wie ich aussah. Auf dieselbe Weise beurteilte ich ja auch andere. Ich begann einzusehen, wieviel leichter es sein könnte, wenn ich es ein bißchen natürlicher nehmen würde.(Synne)

Damit der Geist sich öffnen kann und empfänglich für die tieferen Kriya wird – damit das, was hinter den Anleitungen geschieht, begriffen werden kann (weil Kriya Yoga nicht nur mit Worten unterrichtet wird) – damit der Geist seinen Inhalt (von gewohnheitsmäßigen Gedanken, beschränkten Zuständen, Haltungen…) loslassen kann und damit diese Fähigkeit andauert, muß das Schweigen so lang wie möglich sein. Es dauert für den Geist, sich daran zu gewöhnen, sich Zeit zu lassen und in die Tiefe zu gehen und wirklich alle Nuancen im Unterricht und im Leben – in dieser Situation, hier und jetzt – zu begreifen.

„In einer der Upanishaden wird gesagt, daß Atman, das Selbst oder das Bewußtsein homogenes Schweigen ist. Wie erlebt man das? Nicht durch Sinneserlebnisse oder psychoemotionelle Kommunikation, sondern indem man sich selbst auf Schweigen einstellt. Das mußt Du tun, um einen Transmissionsprozess zu erleben. Du mußt Dich gar nicht anstrengen und Du mußt kein ernstes ,Sontagsgesicht aufsetzen. Sei genauso lebhaft und natürlich, wie Du sonst bist. Das Hindernis gibt es nicht im Selbst oder im Bewußtsein, weil das Bewußtsein eins ist. Das Hindernis befindet sich im menschlichen Geist. Wenn Du eines Tages aufgibst, Dich an den persönlichen Geist zu klammern, so wird der Geist homogen und man nennt ihn den kosmischen Geist. (Swami Satyananda)

Man kann das Schweigen und die Einweihung in den Kriya Yoga mit einer Meditation vergleichen – sie wird nie tief, wenn sie kurz ist. Eine Meditation von 10 Minuten ist keine Meditation, verglichen mit einer von 30 oder 40 Minuten. Ein ungebrochenes Schweigen von zwei bis hin zu zehn Tagen gibt sicherlich ein Erlebnis und hat eine gewisse Wirkung, aber es erreicht nicht die gleiche Ebene wie ein Schweigen, das wenigstens einen Zyklus von 21 Tagen – und noch besser von 33 Tagen, umfaßt.

Es geht darum, das Tempo zu vermindern und so sehr zur Ruhe zu kommen, daß der Geist Zeit bekommt, zu denken, Erinnerungen hervorzubringen, kreativ zu werden und Überblick zu bekommen – und Zeit bekommt, die Gedanken und ‚Erlebnisse loszulassen.

Während des 33-tägigen Schweigens verstand ich, daß Swami Janakananda mich nicht nur etwas lehren wollte, sondern mir auch die Möglichkeit geben wollte, Dimensionen meines Wesens zu erforschen, die ich bislang nicht kannte. (Morten Jon Jepsen)

Der Zustand
Antar Mauna, die innere Stille – eine tantrische Meditationstechnik

Aus einer Meditation in einer meiner Klassen:

„Es ist wichtig, daß Du Dir selbst nicht erklärst, warum Du ein Erlebnis hast. Während der Schweigeperiode in diesem Kurs, bin ich mir sicher, daß Du verschiedene gefühlsmäßige Zustände erlebt hast. Du hast sicher auch einen Grund dazu gehabt, diese Erlebnisse zu haben. Aber den Grund zu kennen, hilft Dir hier nicht. Was zählt ist Deine Fähigkeit, Dich damit zu begnügen, das zu erleben, was in Deinem Gefühls- und Gedankenleben geschieht. Indem Du keine Stellung für oder gegen einnimmst oder reagierst, kannst Du im Erlebnis bleiben, bis es erschöpft ist.

Dieser Kurs ist so aufgebaut, daß er Deine Reaktionen und die Weise, wie Du erlebst, spiegelt. So daß er Dir die ganze Zeit zeigen kann, wenn Du Dich selbst vergißt: Wenn Du in der Selbstbezogenheit landest, anstatt dabei zu sein, in dem was Du tust, denkst und fühlst – und wie Du zurückfindest, so daß Du von Dir selbst aus erlebst.

Wenn Du meditierst, und das ist es was wir gerade jetzt tun, dann kannst Du natürlich das ungeschminkte Erlebnis vermeiden, indem Du Dir die ganze Zeit erklärst, warum Du diesen Gedanken oder dieses Gefühl hast, und worum es geht. Natürlich gibt es Situationen im Leben, wo Du Bedarf an Stellungnahme oder Analyse hast. Aber hier bist Du still! Du gibst Dich damit zufrieden, den Gedanken zu erleben. So hört er auf, etwas zu sein, was Dich ganz automatisch beeinflußt. Er hat Dich nicht mehr im Griff und Du brauchst ihn nicht mehr als gegeben vorauszusetzen, Du brauchst ihm nicht mehr blind zu folgen. Du kannst ihn einfach als einen Gedanken sehen.

Es ist nicht notwendig, Dir selbst oder mir oder jemand anderem zu erzählen, warum Du dieses Gefühl von Haß, diese Reaktion hast, oder warum Du diese Hoffnung oder diese intensive Freude fühlst! Begnüge Dich damit, es zu erleben.

Es ist sehr wichtig!

Während der Meditation findet keine Analyse statt. Auch kein Verständnis. Laß die Sachen kommen und gehen. Folge ihnen, sehe sie, schmecke sie, rieche sie, oder was weiß ich. Das ist alles.

Mit dem Erlebnis von ,ich erlebe dies’, ,ich akzeptiere dies’, machst Du die Bindungen des Geistes frei. Und wenn Du zuerst die Dinge losgelassen hast, die Du nicht mehr brauchst, so gibt es keinen Grund, zu ihnen zurückzuschauen. Wenn Du Deine Kopfschmerzen losgeworden bist, so versuchst Du hinterher nicht sie zu suchen, um sie zu finden und sie wieder zu bekommen.

Die Meditation lehrt Dich, diese Gefühle oder Gedanken zuzulassen und zu akzeptieren. Du gibst Dich bedingungslos hin, ohne dagegen anzukämpfen und ohne sie nachher verfolgen zu wollen – Du hast Zeit und es ist Dir erlaubt, sie zu fühlen und zu erleben. Du hast eine Wahl, Du mußt nicht Deinen Gedanken und Gefühlen folgen, und deshalb ziehen sie keine unerwünschten Folgen in Deinem Leben nach sich.

Wenn Du plötzlich Haß fühlst, fühle Haß! Wenn Du diesen Haß in Deiner Meditation durchlebst, wird er Dich nachher nicht zur Handlung treiben. Nein, es sind die Dinge, die wir uns nicht zu fühlen erlauben, oder die wir fühlen ohne uns dessen bewußt zu sein, oder die wir wegdeuten, die verursachen, daß wir uns anderen Menschen – und uns selbst – gegenüber unerträglich benehmen.

Deshalb kein Verständnis, keine Erklärung, keine Rechtfertigung während der Meditation. Begnüge Dich mit dem Besten: Erlebe und laß los.

Für den Schüler, der versteht, das Schweigen im Kurs auszunutzen, kann es, im Zusammenhang mit der Meditation Antar Mauna, eine reiche und fruchtbare Erfahrung werden - auch auf längere Sicht.

Während des Schweigens fühlte ich, daß ich mit gewissen Gedanken Schluß machen wollte: Es waren Gedanken, die mir vorkamen als hätte ich sie nur aus alter Gewohnheit gehabt – es gibt nicht länger Stellen in mir, wo sie mich erfassen können. ,Schluß‛ sage ich wie im 4. Schritt von Antar Mauna. Es ist ein schönes Gefühl, z.B. während eines Spazierganges, ‚Schluß‛.”
(Anna, Kursteilnehmerin aus Schweden, auf einem 3-Monatskurs)

Die Voraussetzung dies anzuwenden ist, daß man die Techniken, die in den sieben Schritten der Meditation Antar Mauna (Innere Stille) enthalten sind, befolgt. Sie sind grundlegend in dieser Arbeit.
Lese mehr davon in Bindu Nr. 6: Harmonie zwischen dem Erlebenden und dem Erlebten >>
und später in diesem Artikel, und
ergänze es mit Nr. 1: Über das Vermögen zu erleben>>
und 4: Die Dämmerstunde - Zeit zum Sein >>
in den Texten über das Internationale Kurszentrum Håå in Südschweden>>
und über die Innere Stille Kurse in Hannover >>

Das Schweigen, zusammen mit der Meditation Antar Mauna und untermauert vom Kriya Yoga, zeigt Dir die ‚Stelle‛, Dich selbst, woraus Du erlebst. Am Anfang kommt es wie ein Schimmer, aber bei regelmässiger Meditation, wird es mehr und mehr beständig. Ein Zustand, zu dem man zurückkehren kann, wieder und wieder, um zu sein, um zu ruhen und die grundlegende Harmonie in Körper und Geist wiederherzustellen.

Von hier aus sehe ich aufs Leben.

Das Leben verändert sich die ganze Zeit, aber hier verändert sich nichts.
Hier ist es still, hier IST – die Stille, auf deren Hintergrund das Leben sich entfaltet.

– nach dem Kurs

Nach dem Schweigen zeigt sich die Wirkung, wenn die Einflüsse wieder einsetzen. Die innere Stärke dauert länger, wenn das Schweigen seine volle Länge gehabt hat, und wenn der Kurs lange gedauert hat. Es versteht sich von selbst, daß Schüler eines Dreimonatskurses es am deutlichsten spüren, aber auch Teilnehmer an einem 1-Monatskurs erleben eine Wirkung, die unverkennbar ist.

„Als ich nach Hause kam [vom Drei-monatskurs], wurde ich aufmerksam darauf, von wie viel Information man täglich überschwemmt wird. Die Werbung war auch anmaßend, sagt er. Die Umwelt sah ihn in einem neuen Licht:

„Mein Vater und meine Freundin sagten, daß ich viel froher und ausgeglichener geworden war. Ich habe immer ein nervöses Gemüt gehabt, aber nach dem Kurs ist es schwieriger geworden, mich aus der Fassung zu bringen.

„Im Kurs bekommt man auf Anhieb alle seine Gewohnheiten und automatischen Gedankenmuster abgebrochen… sagt Christian Frøkjær Thomsen… Heute, nach sieben Jahren, hat er eine Balance zwischen dem Yoga und der Arbeit als Arzt in einer Alkoholpoliklinik gefunden.

(Zitate aus der dänischen Zeitung Berlingske Tidende, 12.5.1995).

Andere Orte

In der Mystik ist Einsamkeit (und demzufolge Schweigen) immer ein Werkzeug der Suche und Erkenntnis gewesen, nicht nur in Indien, sondern z.B.in der Wüste im Nahen Osten, in den Gebirgen in Tibet und in den katholischen Klostern, wie sie in unserer Zeit in Bornholm in Dänemark gibt, wo die weißgekleideten Mönche immer still sind.

Eine große Gruppe von Quäkern wurde, nach dreitägigem Schweigen an der Ostküste in den USA, darüber ‚einig‛, wohin sie sich als Neusiedler begeben sollten. Die Quäker haben stille Gottesdienste.

Mein Freund, der Maler Sohan Qadri ist im Punjab in Indien aufgewachsen. Als er jung war, sollte er eines Tages aus seinem Dorf zu einem anderen gehen, das eine gute Tagesreise entfernt lag. Er hatte die Route erklärt bekommen, wußte aber sicher, daß er nach dem Weg fragen mußte, wenn er zu einem Dorf ungefähr auf halber Strecke kam.

Als er zum Dorf kam, war es inzwischen Mittag geworden, und alle hatten sich zum Schlafen hingelegt. Er entschloß sich, selbst den richtigen Weg auf der anderen Seite des Dorfes zu finden.

Auf dem Weg aus dem Dorf heraus sah er in der Ferne einen alten Mann auf sich zu kommen. „Na, ich kann ihn sicher fragen, denkt er, aber nach und nach als er dem Mann näher kommt, verliert er die Lust und geht an ihm vorbei, ohne zu fragen.

Kurz danach kommt er zu einer Kreuzung, und weil es da kein Schild gibt, muß er aufgeben und zum Dorf zurückkehren, um nach dem Weg zu fragen. Die Mittagspause ist jetzt vorbei. Das erste Haus im Dorf ist ein Fahrradgeschäft. Er geht hinein und fragt einen jungen Mann, der in der Werkstatt steht, nach dem Weg.

Während sie miteinander reden, sieht er, daß der alte Mann drinnen im Hof sitzt. „Jetzt fällt mir plötzlich ein, daß ich dem alten Mann begegnete, der da drinnen sitzt”, sagt Sohan dem Fahrradschmied. „Aber ich konnte ihn nicht nach dem Weg fragen, was mir eigentlich ganz merkwürdig vorkommt. „Nein, sagt der Schmied, „das ist es nicht, er ist mein Vater, er ist ein Muni, er schweigt (Mauna).

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Illustrationen: Die beiden Fotografien von Swami Janakananda und die Bilder von Konchylien sind von der Künstlerin Ingela Hageman, Schweden © 1997, 1998 gemacht.

Eine Kriya Yoga-Einweihung, wie sie am Internationalen Kurszentrum Håå in Südschweden stattfindet auf einem 3-Monats Sadhana Kurs oder auf einem Kriya Yoga Kurs, ist nicht nur ein Kurs, in dem Du eine Meditation lernst. Es ist ein Prozeß, den Du durchlebst. Er hat eine so dauerhafte Wirkung, daß Du, selbst wenn Du nie wieder den Yoga und die Meditation, die Du im Kurs gelernt hast, verwenden möchtest, trotzdem etwas wertvolles mit nach Hause nimmst, was Bedeutung für den Rest Deines Lebens gewinnen kann. Es ist ein dynamischer Prozeß, der dem Ganzen Stärke gibt und fundamentale Hemmungen durchbricht.

Kriya Yoga I, findest du in Bindu Nr. 2; Kriya Yoga II findest du in Bindu Nr. 3; Kriya Yoga III in Bindu Nr. 5 – Zeit zum Lernen... Zeit zur Einsicht... Zeit zum Unterrichten...; Kriya Yoga IV in dieser Nummer; und der vorlaufig letzte Artikel Kriya Yoga V, in Nummer 12: Kriya Yoga V – Treibhaus, Prozeß und Ritual – Über das Einweihen und eingeweiht werden in fortgeschrittenes Kriya Yoga >>