Shankprakshalana, die yogische Darmreinigung

Von Hamsananda


Shankprakshalana ist ein Vorgang, bei dem der ganze Darmtrakt vom Magen bis zum Enddarm gespült, gereinigt und entspannt wird. Man beginnt damit, ein Glas warmes, leicht gesalzenes Wasser zu trinken und danach einige einfache Yogaübungen auszuführen. Mit Hilfe der Yogaübungen wird das Wasser durch den Darm geleitet. Schon nach dem Trinken weniger Gläser Wasser in Kombination mit den Übungen verspürt man den Drang zum Toilettengang. Dieser Ablauf wird solange wiederholt, bis nur noch klares Wasser ausgeschieden wird. Zusätzliche Reinigungsübungen erweitern diesen gründlichen und denkbar einfachen Prozess und runden ihn ab.

Shankaprakshalana - die yogische DarmreinigungIn unserem hektischem Alltag ”schlägt uns Stress oft auf den Magen” und es bilden sich Spannungen im Magen- Darmbereich. Wenn der Darm vollständig durchgespült wird, werden die Spannungen gelöst und es entsteht hier eine völlige Entspannung. Dies hat eine enorme Auswirkung auf den ganzen Organismus. Die Gesichtszüge entspannen sich, die Augen werden klarer. Der Körper fühlt sich beweglicher an und man verfügt anhaltend über mehr Energie.

Fallbeispiele und Sonnenscheingeschichten

Shankprakshalana vitalisiert den Magen-Darmbereich. Durch den Prozess selbst und die nachfolgende Diät werden die Verdauung und alle benachbarten Organe fundamental regeneriert.

Der Erfahrungsbericht eines Kursteilnehmers, der an Diabetes leidet, zeigt, dass wirklich etwas in Bewegung kommt, denn er benötigte nach der Darmreinigung weniger Insulin.

Eine Frau mit chronischer Bronchitis meldete sich vor einigen Jahren zu einem Darmspülungstag. Wegen ihrer Beschwerden ging sie jede Woche zum Arzt. Am Tag vor der Darmreinigung rief sie an und teilte mit, dass sie sich erkältet habe. „Soll ich dennoch kommen?”, fragte sie. Ich erwiderte, dass der Entschluss natürlich bei ihr läge. Wenn sie aber kein Fieber hätte und sich sonst gut fühlte, könnten ihre Beschwerden sich auch bessern. Sie machte die Darmreinigung und seitdem haben sich ihre Beschwerden auf ein Minimum reduziert. Durch die nun in regelmäßigen Abständen durchgeführte Darmreinigung und ihre regelmäßige Yogapraxis konnte sie ihre wöchentlichen Arztbesuche komplett einstellen.

Ein Teilnehmer an einem 9-Tages-Kurs im Harbergen Yoga Retreat Zentrum berichtete, dass er vor einigen Jahren seinen Geruchssinn verloren hatte. An einem Tag in diesem Kurs wurde die Darmreinigung durchgeführt und an diesem Tag kam sein Geruchssinn zurück.

Kann es sein, dass die Darmreinigung für die Augen gut ist?“, fragte eine Teilnehmerin einmal, denn sie konnte nach der Darmreinigung viel besser sehen. Ich bestätigte, dass das eine Erfahrung sei, die die meisten machen. Ich erklärte, dass es unter Umständen einen direkten Zusammenhang zwischen Verdauung und Sehklarheit gibt.

Shankprakshalana ist bei häufig vorkommenden Kopfschmerzen, Asthma, Migräne und Hautproblemen, wie z.B. Neurodermitis, sehr empfehlenswert. Auch Lebensmittelunverträglichkeiten und Übersäuerung können minimiert werden. Die fundamentale Ruhe, die nachher eintritt, ist aber für die meisten der Hauptgrund die Darmreinigung immer wieder einmal mitzumachen. Und sie ist vor allem dann ideal, wenn man einen gelungenen „Neustart“ machen möchte.

Der Ablauf

Die Darmreinigung beginnt morgens, nachdem man ab ca. 14 Uhr am Vortag keine feste Nahrung mehr zu sich genommen hat. Das erleichtert die Spülung, denn der Darm soll ja komplett entleert werden. Zunächst trinkt man ein Glas Salzwasser. Das Salzwasser hat eine Konzentration von 0,9 %, was dem Salzgehalt unseres Körpers (z.B. der Tränenflüssigkeit) entspricht. Aufgrund der osmotischen Balance entsteht ein Gleichgewicht auf beiden Seiten der Darmwand. Das bedeutet, dass die Flüssigkeit weder aufgenommen, noch entnommen werden kann, sie strömt vollständig direkt durch den Darm. Die fünf einfachen Yogaübungen, die nach jedem getrunkenen Glas ausgeführt werden, begünstigen den Durchfluss: Das Wasser wird als Ganzes durch den Darm bewegt und wieder ausgeschieden.

Nach ca. 6 ”Runden” oder mehr geht man zum ersten Mal auf die Toilette und danach jedes Mal, wenn die Übungen abgeschlossen sind. In dieser Reihenfolge wird der Ablauf fortgesetzt: Man trinkt ein Glas Wasser, macht die Übungen und geht anschließend auf die Toilette.

Es werden mindestens 16 Gläser Salzwasser getrunken, in der Praxis oft etwas mehr. Entscheidend ist, dass das ausgeschiedene Wasser die gleiche Klarheit hat wie das getrunkene. Dann wird der Magen mit Kunjal Kriya (siehe Seite 13) geleert und die Nase mit ebenfalls lauwarmen Salzwasser (Neti, die Nasenspülung, Seite 13) gespült. Damit ist die eigentliche Darmspülung beendet.

Ausruhen und Essen

Dieser Ablauf dauert etwa 2-3 Stunden. Dann ist es Zeit sich auszuruhen und man legt sich ca. 45 Minuten still hin. Man fühlt sich ganz leicht, oft mit dem Gefühl „zu schweben“. Anschließend wird die spezielle Shankprakshalana-Mahlzeit Ketchari serviert. Sie besteht aus gekochtem Reis und Dahl (Linsen) mit Ghee (geklärter Butter). Diese Mahlzeit hat den Zweck zu sättigen, die Verdauung anzuregen und den Körper zu nähren. Es ist wichtig reichlich davon zu essen.

Die Darmreinigung sollte unter professioneller Anleitung gemacht werden

Im Laufe der Darmreinigung gibt es verschiedene Dinge, auf die man achten sollte, denn eine Darmreinigung kann sehr individuell verlaufen. Es gibt ab und zu Situationen, die die Erfahrung und Einfühlsamkeit eines Lehrers erforderlich machen. Es ist deshalb wichtig, dass die Darmreinigung unter Aufsicht eines erfahrenen Lehrers durchgeführt wird. Außerdem sollte man sie immer in einer Gruppe machen, denn die Gruppendynamik macht den Prozess viel leichter. Dieser Tag entwickelt sich meistens sehr lustig und wenn erst das Wasser fließt, dann scheint auch die Sonne.

Das Essen in der Zeit danach

Um das Darmsystem zu entlasten und um die Wirkung der Reinigung zu unterstützen, ist im Anschluss eine besonders schonende Ernährung notwendig. Das Darmsystem ist nun sauber und frisch wie das eines kleinen Babys und ein Baby isst ja auch milde Kost.

Diejenigen, die sich für einen längeren Kurs im Harbergen Yoga Retreat entscheiden, haben es leichter: Hier muss man sich keine Gedanken darüber machen, was man während der Diät beim Kochen beachten muss, denn das leckere Essen wird im Kurs serviert.
Kommt man aber zu einem separaten Darmreinigungstag, ist man schon am folgenden Tag selbst für das Kochen zuständig und braucht eine gründliche Anleitung. Womit kann ich meinen Hunger nun stillen und was ist zu beachten, wie baut sich die vegetarische Ernährung auf? Hier ein kurzer Überblick:

Während der ersten 10 Tage ändert man einiges im individuellen Speiseplan. So meidet man vollständig Stimulanzien wie Kaffee, schwarzen und grünen Tee, Alkohol, Süßigkeiten aller Art, auch Rohkost, Obst, Milchprodukte, scharfe Gewürze, Fisch, Fleisch und Eier. Viele Raucher verlieren die Lust zu rauchen, es ist aber keine Bedingung aufzuhören.

In dieser Zeit isst man gekochtes Gemüse und Getreide, Linsen und Bohnen in gekochter Form. Nach einem Tag kann man auch Brot zu sich nehmen. Der Einfachheit zum Trotz kann man aus diesen Zutaten viele leckere Gerichte zaubern, aber das erfordert einiges Umdenken. Dazu inspirieren wir unsere Kursteilnehmer und machen konkrete Vorschläge, was alles auf den Tisch kommen kann.

Man ist in dieser Zeit sehr ausgeglichen und kocht und isst bewusster. Die Sinne werden geschärft, auch die Geschmacksempfindung: Eine Möhre schmeckt auf einmal viel süßer als vorher. Persönlich empfehle ich bestimmte Aspekte dieser milden Kost über die ersten 10 Tage hinaus zu verlängern. D.h. man isst weitere 30 Tage keinen Fisch, kein Fleisch und keine Eier. Empfehlenswert ist es auch, eine Weile auf Stimulanzien zu verzichten.

Geh nicht über den Fluss, um Wasser zu holen

Selbstverständlich kann man eine Mahlzeit auslassen, wenn man keine Lust oder kein Bedürfnis zu essen hat. Während einer Krankheit verliert man manchmal den Appetit. Solchen Signalen sollte man natürlich folgen. Aus der Perspektive des Yoga betrachtet ist Stabilität jedoch wichtiger als von einem Extrem zum Anderen zu gehen. Besser gesund und regelmäßig essen, um dadurch Kraft für sowohl das Praktische als auch das Vergnügliche zu haben. Längeres Fasten hat deshalb keinen großen Stellenwert in der Yoga-Tradition. Der Zweck der Darmreinigung ist der Gleiche wie beim Fasten: den Körper zu reinigen, leicht werden zu lassen, mehr Energie zu bekommen und vielleicht die eine oder andere Beschwerde loszulassen. Mit der Darmreinigung kommt man aber in nur einem Tag zum selben Ergebnis und danach kann man normal essen im Rahmen der besonderen Ernährung.

Die Darmreinigung ist auch keine Aufforderung für immer so zu essen wie diese Empfehlungen es nahelegen. Es sei denn, es gibt entscheidende gesundheitliche Gründe dafür. Man sagt, dass ein Yogi am besten das essen sollte, was er dort, wo er lebt, bekommen kann. Im Zusammenhang mit der Darmreinigung ist es dennoch wichtig die Diät einzuhalten, da der Körper sich in dieser Zeit regeneriert.

Viele, die die Darmreinigung gemacht haben und auch andere Maßnahmen zur Reinigung des Darms ausprobiert haben, sind oft überrascht, wie einfach Shankprakshalana ist, wenn man bedenkt, dass hier der ganze Darmtrakt ohne Fremdeinwirkung gespült wird.

Die große und die kleine Darmreinigung

Die große Reinigung (Poorna Shankprakshalana), wie oben beschrieben, kann 2-mal jährlich gemacht werden. Wenn man besonders eifrig ist auch drei Mal. Mehr ist weder gut noch sinnvoll. Stattdessen kann man die kleine Darmreinigung (Laghoo Shankprakshalana) machen. Sie besteht aus 6-8 Gläsern mit Übungen dazwischen und danach wird nur auf eigenen Wunsch und je nach Empfinden eine Schonkost eingehalten.

Die Gallensteinkur

Die Natur bietet oft ganz einfache Lösungen, die wir Menschen vergessen haben oder nicht für möglich halten. Ein Beispiel sind Gallensteine: Im Zusammenhang mit Shankprakshalana ist es leicht, Gallensteine zu entfernen. Etwas vereinfacht erklärt, trinkt man nach der Spülung ein Glas pflanzliches Öl. Danach folgt eine Ruhepause, man legt sich z.B. in seinem Bett ganz still hin. Nach ein paar Stunden geht man auf die Toilette und die Gallensteine werden nun ausgeschieden, große wie kleine. Hat man zu diesem Zeitpunkt aber keinen Stuhldrang, isst man Ketchari und die Gallensteine werden spätestens am nächsten Morgen ausgeschieden. Diese Kur wird nur dann empfohlen, wenn man tatsächlich Probleme mit Gallensteinen hat.

Die Substanz und Qualität im Leben, das ist es, wonach der Yoga strebt. Die Dinge so zu sehen, wie sie sind, anstatt etwas dazwischen zu schieben. Durch die Yogapraxis und die Meditation lernt man auch die feineren Mechanismen in sich selbst zu verstehen. Warum sind meine Laune oder die Energie so wie sie sind, und was kann ich dafür tun dies zu ändern? Wie kann ich Hindernisse, welche auch immer, überwinden?

Wenn wir über Gesundheit sprechen, dann scheint der Weg dorthin derselbe zu sein wie für diejenigen, die nach Selbstverwirklichung streben, denn ein erweitertes Bewusstsein löst alle Krankheitsbilder ab. Und so ist es auch mit Shankprakshalana: Das Wohlbefinden und die fundamentale Ruhe, die sich einstellen, sind gleichzeitig die Grundlage für eine robuste Konstitution und Gesundheit.

Yantra