Atme tief Luft!

Der yogische Atem

von Hamsananda


 

In alten Kulturen glaubte man, dass die Geisteskraft eines Menschen oder Gottes durch die Atmung kam. Als die alten Götter auf den Osterinseln ausgedient hatten, wurden die Nasen einiger der Gottesfiguren abgeschlagen – als Symbol dafür, dass die alten Götter keine Kraft mehr hatten.

Bei den ursprünglichen Einwohnern auf Hawaii wird die Atmung als Quelle zur Gesundheit betrachtetet und sie glauben, dass die Menschen durch den Atem spirituelle Kraft, Mana, bekommen. Einen ähnlichen Ansatz finden wir bei den Maoris auf Neuseeland.

In der traditionellen chinesischen Medizin spielt den Begriff Qi eine lebenserhaltende Rolle. Er bedeutet sowohl Atem als auch Lebensenergie. Qi stellte ebenso die Verbindung zu den Emotionen des Menschen her.

Prana ist in der Yogatradition dasselbe und bedeutet ebenfalls Atem und Lebensenergie. Auch deshalb heißen die Praktiken, die ich später erläutern werde, Pranayama. Es heißt die eigene Energie zu meistern.

Das Wort Inspiration ist Synonym für den Einatem, Atemberaubend für das Atem anhalten. In Skandinavien heißt es „er/sie atmete Stille aus“ [han/hun åndede stille ud], wenn ein Mensch stirbt – als Metapher für das Loslassen.

In diesem Artikel gehen wir der Sache mit dem so wichtigen Luftaustausch und den Atemübungen – Pranayama – auf den Grund.

Bevor wir dazu kommen, beginnen wir erst einmal mit dem Atem, der uns tagein, tagaus begleitet.

Atme durch die Nase

Stickoxid (NO) hat eine gefäßerweiternde Wirkung in unserem Körper. Eine relativ neue Entdeckung, wofür drei Forscher aus Amerika den Nobelpreis erhielten. Und was hat das nun mit dem Atem zu tun? Eddie Weitzberg, Dozent am Karolinske Institut in Stockholm, ist Teil eines Forschungsteams, das die Bedeutung von Stickoxid für die Atemwege untersuchte, und er fand heraus, dass Stickoxid in großen Mengen in den Nasennebenhöhlen gebildet wird. Wenn durch die Nase geatmet wird, wird es mit der eingeatmete Luft in die Lunge geführt und erweitert die Lungenbläschen, die s.g. Alveolaren. Das bedeutet eine Mehraufnahme von Sauerstoff um 10-15% gegenüber wenn nur durch den Mund geatmet wird.

In Yoga empfiehlt man schon immer durch die Nase zu atmen, sowohl beim Einatmen als auch beim Ausatmen. Außerdem wird beim Einatmen die Luft gefiltert und körpertemperiert, beim Ausatmen eine Verdunstung der Körperflüssigkeit verhindert. Atme deshalb immer durch die Nase – es sei denn große körperliche Anstrengung erfordert mehr Luft.

Sollten die Nasenhöhlen entzündet sein, kann man davon ausgehen, dass dies nicht in vollem Umfang passiert. Ein wichtiges Instrument dies zu verbessern ist die regelmäßige Spülung der Nase mit einer lauwarme Salzlösung, in Yoga Neti genannt. Später dazu mehr.

Atme mit dem Bauch

Die Tiefe des Atems spielt aber auch eine Rolle für die so entscheidende Sauerstoffaufnahme. Eine kleine Übung:

Lege Dich doch für einen Moment auf den Rücken hin. Lege die Arme neben den Körper, die Beine etwas auseinander. Nun beobachte den Bauchatem. Was passiert beim Einatmen? Beim Ausatmen?

Mit dem Einatem hebt der Bauch sich ein wenig, mit dem Ausatem senkt der Bauch sich wieder ab. So atmet der Körper immer in liegender Ruhestellung. Das Zwerchfell dehnt sich beim Einatmen aus, die Lunge wird mit Luft befüllt. Aus Platzgründen dehnt der Bauchraum sich nach außen aus. Mit dem Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell- und die Luft strömt aus dem Körper heraus.

Wie sieht es nun im Stehen aus? Durch Verspannungen, Stress, emotionale Auseinandersetzungen oder möglicherweise zu viel Sitzen kann sich die Bauchmuskulatur verhärten und die Arbeit des Zwerchfells einschränken. Der Atem verlagert sich nach oben, aus den Bauchraum heraus. Die Fülle des Atems ist dann nicht mehr da, wird oberflächlicher und der Bauchraum bekommt nicht mehr die Massage, die er sonst durch diese Bewegung bekam. Das bedeutet weniger Aufnahme von Sauerstoff und eine schnellere Ermüdung.

Yoga kann dies ändern. Eine regelmäßige Praxis gibt mehr Bewusstsein über den Atem und löst Spannungen ganz körperlich. Die Yogaübungen im nächsten Abschnitt stellen einen guten Anfang dar und bereiten für die Pranayama vor.

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Quelle:
Inhalation of nasally derived nitric oxide modulates pulmonary function in humans
J. O.N. Lundberg, G. Settergren, S. Gelinder, J.M. Lundberg, K. Alving and E. Weitzberg
Scandinavian Physiological Society, 158/343-347