Yoga Nidra

Yoga Nidra und das Bewusstsein

Eine Zusammenfassung der Tiefenentspannung Yoga Nidra mit einem Beitrag aus der Welt der Forschung. Bewusstsein ist subjektiv, flüchtig und physikalisch kaum messbar – mit dieser Untersuchung über Yoga Nidra in Kopenhagen kam es aber ganz anders.

von Hamsananda


Wenn Du abends ins Bett gehst, dann legst Du dich hin, ziehst die Bettdecke eng an den Kopf und schließt die Augen. Langsam schläfst du ein. Zwischen dem Wachsein und dem Schlaf gibt es einen Übergang, er wird als hypnagoges Stadium bezeichnet. Es ist ein kreativer Moment, in dem der vergangene Tag und die Erinnerungen daran an Bedeutung verlieren, die Entspannung und der Schlaf setzen ein. Der amerikanische Psychologe Dr. Charles T. Tart,  bezeichnet dieses Stadium “als Eingang in einem anderen Welt der Erlebnis” und eine Periode mit Visionen und Erkenntnisse über sich selbst.

Diesen Schwellenzustand zwischen Schlaf und Wachsein erzeugt ebenfalls das aus den Nyasa Tantra stammende Yoga Nidra, mit dem Unterschied, dass er während der ganzen Übung dauert und eine Wirkung hat, die den ganzen Tag anhält.

Yoga Nidra ist eine Methode, die die verschiedenen Ebenen des Wesens berührt und erweckt. Es beginnt in der physischen Dimension mit dem Körper, geht weiter über die Qualitäten der Sinneswahrnehmungen, die der psychischen Ebene der Chakra bis hin zu der Entdeckung und der Identifikation mit dem Selbst – von einer physischen Entspannung über immer tiefer werdende Erfahrungen des Seins bis hin zu dem in sich selbst ruhenden Bewusstsein.

Die bewegende Aufmerksamkeit. So erweckt und entwickelt Yoga Nidra die Interesse der Übende

Yoga Nidra beginnt, wie andere Meditationen aus der Linie des tantrischen Yoga, mit dem was gerade in der Nähe ist, was konkret ist, worüber man sich nichts vorstellen muss, dem Körper. Körperteil nach Körperteil wird benannt und gespürt – zum Schluss der ganze Körper. In der Anleitung liegt ein Ansporn: Die Aufmerksamkeit verweilt nur kurz bei einer Sache und wird dann gleich weiter zur nächsten gelenkt. So wird das Interesse der Zuhörer gefesselt. Den Bewegungen im Geist wird mit denselben Mitteln umgegangen und es findet eine zunehmende Fokussierung statt.

Auch die gegensätzlichen Sinneswahrnehmungen wie Schwere und Leichtigkeit, Wärme und Kälte, Schmerz und Zufriedenheit werden kurz angesprochen und wieder verlassen. So wird es durch die ganze Yoga Nidra Meditation gemacht.

Das mentale Berühren, das Lenken der Aufmerksamkeit auf ein Objekt, bedeutet unvermeidlich dass der Geist sich davon zurückzieht und sich weiter bewegt. So ist eine tiefere Erkundung des Bewusstseins möglich.

Die Chakra bahnen den Weg weiter auf psychischen Ebene. Die Orte der Chakra werden erkundet, die Symbole der Chakra visualisiert.

Die landschaftlichen Bilder sind nicht zufällig, sie haben eine wichtige Bedeutung und rufen Empfindungen wie Geborgenheit und Mut hervor. Sie erwecken unsere spirituellen Bedürfnisse, Ansprüche und Ziele im Leben und erscheinen in einer streng logischen Reihenfolge.

Die Symbolsprache ist Teil unseres Wesens und alle verstehen sie – auf der nicht-emperischen – abstrakten Ebene. Symbole sind die Manifestationen hinter der Welt der Gedanken und Emotionen und sind Kontaktpunkte für abstraktes Denken. Die Symbole in Yoga Nidra sind ein gemeinsamer Nenner für alle Menschen, ein Teil unserer psychologischen Grundstruktur und werden in allen Kulturen, in denen man mit der tieferen Psyche gearbeitet hat, gefunden. Ein Symbol hält das Bewusstsein stabil – nur das Eine ist dann da.

Zum Schluss ist man dort angekommen, wo es keine Erklärungen mehr gibt oder wo Erklärungen nicht mehr nötig sind – und nichts einen aus der Ruhe bringen kann. Es gibt nur noch die ruhende Aufmerksamkeit, Sein.

Das goldenen Ei - Hiranya Garbha

Aktivierung verschiedener Bereiche des Gehirnes während Yoga Nidra. Ein Forschungsprojekt auf Rigshospitalet, Kopenhagen 1998.

Einem Forschungsteam unter den Gehirnforschern Troels Kjaer und Hans Lou aus dem Kennedy-Institut in Dänemark gelang es, ein Bild über die tatsächlichen Ereignisse im Gehirn unter veränderten Bewusstseinsszuständen während Yoga Nidra zu visualisieren.

Als Hauptinstrument diente ein PET-Scanner (Positronen-Emissions-Tomographie). Über einen Spurenstoff, leicht radioaktives Wasser (150-H2O), konnte die Durchblutung des ganzen Gehirnes kontinuierlich während Yoga Nidra vom Scanner dreidimensional überwacht werden.

Die 9 teilnehmenden Personen praktizierten vorher eine stark konzentrierende Kriya Yoga Meditation. Bei der eigentlichen Messung wurde Yoga Nidra über Kopfhörer den im PET-Scanner liegende Personen vorgespielt. Simultan wurde eine EEG-Aufname der Personen aufgenommen, die den meditativen Zustand der Teilnehmer später in der Analyse bestätigte.

Entspannt und aufmerksam zugleich

Das Aktivitätsmuster ändertet dem Inhalt der Tiefenentspannung entsprechend: Die Aufmerksamkeit auf den Körper löste Aktivität in dem supplementären motorischen Bereich, der körperliche Bewegung kontrolliert, sowie im Parietallappen, zuständig für sensorische Information und dem Sehzentrum im Okzipitallappen aus.

Meditation auf Zufriedenheit beeinflusste das Sprachzentrum, vermutlich wegen der abstrakten Natur der Aufgabe. Visualisierung von Bildern und Symbolen beeinflusste die visuelle arbeitende Hirnrinde (den visuellen Kortex).

Aktivität und Belebung sind beim Ausüben von Yoga Nidra kein Widerspruch, denn die teilnehmenden Personen waren tief entspannt und zugleich aufmerksam.

Gehirnforscher Troels Kjaer: „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Meditierenden dermaßen imstande waren, ihr Bewusstsein zu steuern“

Die in der medizinischen Zeitschrift Human Brain Mapping veröffentliche Untersuchung erregte große internationale Aufmerksamkeit als ein wichtiger Beitrag zur Bewusstseinsforschung. Dies ermöglichte nun eine weitere Studie – an der ich selbst beteiligt war – diesmal mit einem anderen Schwerpunkt. Ende des Beitrages


QUELLEN

A 150-H2OPET study of meditation and the resting state of normal consciousness
Hans C. Lou, Troels W. Kjaer, Lars Friberg, Gordon Wildschiodtz, Søren Holm, Markus Nowak
Human Bran Mapping Febr. 1999

Altered States of Consciousness von Charles T. Tart

Erlebe Yoga Nidra
CD von Swami Janakananda. Bindu Verlag.